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17.03.2012

Interview Deutsch-Russischer Kurier mit Visitator Msgr. Dr. Hoffmann

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Predigten

Predigt bei der Wallfahrt der Russlanddeutschen in St. Antonius in Kevelaer am 22. September 2012

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

1. Unvergesslich ist und bleibt mir ein Ereignis im Jahre 1975. Ich war da-mals gerade Weihbischof in Erfurt in der DDR geworden. Im Erfurter Dom durfte ich das Pfingsthochamt zelebrieren. Dabei fiel mir eine Gruppe Menschen auf, die einen fremden Eindruck auf mich machten. Nach der heiligen Messe bin ich sofort vor den Dom gegangen und habe diese Gottesdienstbesucher begrüßt. Dabei stellte sich heraus, dass es Russlanddeutsche waren, die nach dreißig Jahren zum ersten Mal auf ei-ner Touristenreise nach Deutschland kamen und dabei an einer heilige Messe teilnehmen konnten. Sie sagten mir damals: „Wir haben Heimweh nach der Kirche“.

Ein Mann trat vor mich hin und sagte mir: „Herr Bischof, welche Glau-benswahrheiten müssen wir unseren Kindern vermitteln, damit sie am Sinn ihres Lebens nicht vorbeigehen und das Ewige Leben erlangen?“. Ich antwortete darauf: „Ich gebe Ihnen allen eine Heilige Schrift und ei-nen katholischen Katechismus mit“. Darauf gaben sie mir die Antwort: „Religiöse Literatur in die Sowjetunion mitzunehmen, ist ja schlimmer, als wenn man Waffen mitnimmt. Das können wir nicht tun“. Meine Ant-wort darauf war: „Dann kann jeder von Ihnen einen Rosenkranz mit-nehmen“. Sie sagten darauf: „Natürlich, den hängen wir uns um den Hals, das ist dann wie ein Schmuckstück. Aber was hat denn das mit mei-ner Frage nach den Glaubensinhalten zu tun, die unseren Kindern und uns selbst das Ewige Leben garantieren?“. Daraufhin nahm ich einen Rosenkranz in die Hand, zeigte ihnen das Kreuz und sagte: „Daran beten wir unser Glaubensbekenntnis. Das ist unsere Glaubenslehre. Mehr braucht man nicht zum Glauben. Dann kommen die nächsten drei kleinen Perlen, an denen wir unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe erneuern. Das ist unsere Lebenslehre. Mehr brauchen wir nicht zum Leben. Und dann kommt – gleichsam in Geheimschrift oder Blindenschrift aufgefädelt – das ganze Evangelium: im Freudenreichen Rosenkranz die Geheimnisse der Menschwerdung; im Schmerzhaften Rosenkranz die Geheimnisse der Passion und im Glorreichen Rosenkranz die Geheimnisse unserer Vollendung“. Den Lichtreichen Rosenkranz gab es damals noch nicht. Da nahm der Mann den Rosenkranz in die Hand und hob ihn nach oben: „Wie, dann habe ich den ganzen katholischen Glauben in einer einzigen Hand!“. „Ja“, sagte ich: „Sie haben den ganzen katholischen Glauben in einer Hand. Mehr brauchen Sie nicht zu glauben, und mehr brauchen Sie nicht zu leben. Das ist unser ganzer Glaube“. Daraufhin küsste er den Rosenkranz und steckte ihn in seine Tasche.

2. Der Rosenkranz ist zwar keine Reliquie unseres Herrn, aber er ist in der durch die Jahrhunderte hindurch betenden Kirche entstanden. Ganze Generationen haben daran mitgebetet, und zwar meistens die schlichten gläubigen Menschen des Alltags, nicht so sehr Professoren und Prälaten. Und darum wurde der Rosenkranz bis heute eines der tiefsten und biblischsten Christusgebete, die der Kirche geschenkt wurden. In den ersten Jahrhunderten wurde er wohl meistens von Laien gebetet. Die Priester hatten ihr Brevier. Aber heute beten – Gott sei Dank! – viele Laien Brevier und Rosenkranz und viele Geistliche Rosenkranz und das Brevier. Das eine befruchtet das andere.

Vor Jahren konnte man im Vatikanischen Museum in Rom eine Ausstel-lung von Rosenkränzen aus vielen Jahrhunderten besichtigen. Man konnte viele Rosenkränze von Kaisern und Königen sehen, aber auch von Bauern und Arbeitern, von ganz schlichten Menschen. Sehr beeindruckt hatte mich der Rosenkranz der Kaiserin Maria Theresia. An ihrem Rosenkranz hingen sechszehn goldene Herzen, und in jedem Herzen war die Locke eines ihrer 16 Kinder enthalten. Die Kaiserin hatte den Rosenkranz immer bei sich und damit ihre Kinder, wenn sie ihren vielfältigen Regierungsgeschäften nachging. Aber in dieser Rosenkranzausstellung waren für mich zwei ganz schlichte unansehnliche Rosenkranzketten und –perlen ergreifend. Sie waren aus ganz billigem Material. Die Perlen waren aus Brotkrumen geformt, die Kette, oder die Schnur, war aus Stofffäden, die KZ-Häftlinge aus ihrer Häftlingskleidung hergestellt hatten. Was sie bis in die Hölle des Konzentrationslagers begleitet hatte, war der Rosenkranz.

Was ist das für ein kostbares Gebet! Der Rosenkranz mit seinen fünf Glaubensgeheimnissen ist wie die Hand der Muttergottes mit ihren fünf Fingern, die uns hält und trägt durch dick und dünn. Oder der Rosen-kranz ist wie ein Rettungsring, der die Menschen vor dem Ertrinken rettet und sie ans sichere Ufer bringt. Es ist wirklich ein Geschenk des Himmels, dass wir im Monat Oktober den Rosenkranz in ganz besonderer Intensität beten, und dass uns am 7. Oktober das Rosenkranzfest geschenkt ist.

3. Das Rosenkranzgebet ist eher ein Christusgebet. An der Hand der Mut-tergottes werden wir in die Nähe Jesu geführt, in das Haus von Nazareth, wo Christus Maria und Josef gleichsam in einer intimen Familienkatechese kundgetan hat, dass er seit Ewigkeit her beim Vater in der himmlischen Dreifaltigkeit ist, bevor er Mensch wurde. Darum kann uns Maria sicher und einfühlsam in die Geheimnisse seiner Menschwerdung hineinführen und damit aber auch in das Geheimnis unserer christlichen Berufung als Kinder Gottes.

Wenn ich das so sagen darf, man kann den seligen Papst Johannes Paul II. als Spezialist des Rosenkranzgebetes bezeichnen. Er wusste gerade als Intellektueller, dass Beten mehr als eine Tätigkeit des Intellektes ist, sondern des ganzen Menschen mit Herz und Hand. Er sagte mir persönlich einmal: „Man muss beim Beten etwas in der Hand haben, was uns mit Gott berührt. Und das ist der Rosenkranz“. Seine großartigen Inspirationen, die sich in so vielen Enzykliken, Katechesen, Ansprachen und Predigten zeigten, hatten ihren Ursprung im Rosenkranzgebet, in der Begegnung des Papstes durch den Rosenkranz mit Jesus Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes. Es ist kein Zufall, dass uns gerade der selige Papst Johannes Paul II. den Lichtreichen Rosenkranz geschenkt hat. Er hatte das immer wie eine Lücke empfunden, dass uns der Freudenreiche Rosenkranz mit den Geheimnissen der Menschwerdung Jesu in Verbindung bringt, der Schmerzhafte mit den Geheimnissen seines Erlöserleidens und der Glorreiche mit seiner Vollendung. Es fehlte gleichsam als Mittelstück der jetzige Lichtreiche Rosenkranz mit den Geheimnissen seines öffentlichen Lebens, von der Taufe durch Johannes, dem Täufer, am Jordan bis zur Einsetzung der Heiligen Eucharistie.

Mich hat ein Künstler gefragt: „Wenn ich den seligen Papst Johannes Paul II. bildlich darstellen könnte, wie würde ich das tun?“. Ich konnte darauf antworten: „Ich würde ihn darstellen mit seinem Papstkreuz in der Hand, an das er durch den Rosenkranz zu einer Figur verbunden ist“. Das vom seligen Papst Johannes Paul II. im Jahre 2002 verfasste Apostolische Schreiben über den heiligen Rosenkranz ist wie ein Hohes Lied auf das Rosenkranzgebet.

4. Das Rosenkranzgebet ist tatsächlich das aufgefädelte, gleichsam in Ge-heimschrift nicht mit den Augen, sondern mit den betenden Herzen und den tastenden Fingern zu entschlüsselnde Evangelium Jesu Christi. Und auf diese Weise prägt sich das Leben Jesu tiefer in unser Herz, in unser Leben ein, als wenn wir nur die Heilige Schrift lesen würden. Hier ist es dem Beter möglich, wie damals den Saum seines Gewandes zu berühren, und wenn es nur von hinten war. „Denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte“ (Lk 6,19). Wenn ich zum Rosenkranz greife, komme ich in diese Berührungssituation. Ich sehe den Herrn nicht nur, ich höre nicht nur seine Stimme, sondern ich komme mit ihm in Berührung. Der Tastsinn wird oft von uns unterschätzt. Aber blinde Menschen haben ihn besonders entwickelt, sodass sie mit ihren Händen Orientierung erfahren, indem sie berühren, indem sie tasten, indem sie anfassen, was sie umgibt.

Von dem kaiserlichen Feldherrn Tilly im Dreißigjährigen Krieg wird uns sein tägliches Gebet überliefert:
„Den Rosenkranz in meinen Händen,
auf das Kreuz den letzten Blick,
so möchte ich mein Leben enden,
Mutter, gib mir dieses Glück“.
Ich denke, das können wir alle unterschreiben. Der Rosenkranz ist die Garantie, dass es uns auch tatsächlich geschenkt wird. Ich sage es nochmals: Auch die körperliche Hand des Menschen will nicht ins Leere greifen, wenn das Herz im Gebet nach der Hand Gottes greift. Wenn die-se Hand den Rosenkranz fasst, weiß der Mensch, dass Gott bereit ist zum Hören und zum Helfen. Der Rosenkranz ist für den gläubigen Christen die Schnur, die über seinem Krankenbett hängt. Er richtet sich daran auf. Der Rosenkranz ist wie das Seil, das dem Bergsteiger den schweren Pfad erleichtert. Er hält sich daran, wenn rechts und links vom Weg sich die Abgründe auftun. Der Rosenkranz ist wie eine Leiter mit vielen Stufen, die gegangen werden müssen, wenn Glaube, Hoffnung und Liebe keine leeren Worte, sondern lockende Ziele und wirkende Kräfte bleiben sollen. Der Rosenkranz – mit einem Wort gesagt – ist das Band, das Gott und Mensch fester zusammenschließt. Von allem muss der Mensch etwas spüren, wenn seine Hand nach den Perlen greift.

Darum hat ja Gott uns auch die Sakramente gegeben, diese heiligen Zei-chen, die man hören und sehen kann und die man auch – wenn ich an die heilige Eucharistie denke – essen und trinken kann. In diese sakra-mentale Ordnung gehört der Rosenkranz, der zwar kein Sakrament ist, aber ein sakramentales Zeichen, das uns hilft, nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit der Hand nach der Wirklichkeit des lebendigen Gottes zu greifen.

5. Maria war und ist gleichsam die erste Rosenkranzbeterin. Sie wird nie einen Rosenkranz in der Hand gehabt haben, aber sie hat mit Jesus han-tiert, als sie ihn in Bethlehem in die Krippe als Säugling legte. Sie hat ihn umsorgt, genährt, gewaschen und getragen, als er als Kind heranwuchs. Sie hat ihn also nicht nur angeschaut, sondern sie hat mit ihm auch hantiert, und sie ist bei seinem öffentlichen Leben immer gleichsam als „Krisenmanagerin“ dabei gewesen. Sie stellte sich nicht vor ihn, sondern immer hinter ihn. Und wo es nötig und gefährlich für ihn wurde, sprang sie ein: bei der Flucht nach Ägypten; bei ihrer Suche nach ihm im Tempel von Jerusalem; bei ihrem Beistand, als ihn die Bewohner von Nazareth den Berg hinunterstoßen wollten; bei seinem Kreuzweg in Jerusalem und unter dem Kreuz auf Golgotha. Sie fehlte dort nie, wo sie nötig war. Sie war immer dabei mit Kopf, Herz, Hand, Auge und Ohr. Dass auch wir leibhaftig mit Jesus leben, sprechen, gehen und verkehren können, ermöglicht uns der Rosenkranz, an dem uns das „Ave Maria“ zum „Ave Jesus“ und zum „Gloria patri et filio et spiritui sancto“ führt, das „Gegrüßet seist du Maria“ zum „Wir beten dich an, Herr Jesus Christus“, zum „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist“. Darum ist mein tägliches Gebet, wie das des Feldherrn Tilly:
„Den Rosenkranz in meinen Händen,
auf das Kreuz den letzten Blick,
so möchte ich mein Leben enden,
Mutter, gib mir dieses Glück“. Amen.

+ Kardinal Joachim Meisner
Erzbischof von Köln