28.05.2016

Pater Ladislaus Bukowinski wird am 11. September 2016 seliggesprochen
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13.12.2015

Deutsch russischer Jugendschreibwettbewerb – ein gelungener Brückenschlag
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23.11.2015

Lesen Sie den Weihnachtsgruß von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke
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23.11.2015

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke feiert zehnjähriges Bischofsjubiläum
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15.11.2015

Lesen Sie den Weihnachtsgruß von Msgr. Dr. Alexander Hoffmann
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12.11.2015

Lesen Sie den Bericht zur Wallfahrt nach Kevelaer
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31.07.2015

Lesen Sie die Pressemitteilung zum 32. Bundestreffen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland
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24.07.2015

Lesen Sie den Gruß des Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz an alle katholischen Christen, die eine Vertreibung und Flucht erlitten haben
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Lesen Sie die Ansprache zum Bundestreffen 2015
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18.03.2015

Lesen Sie die Ostergrüße von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke und Monsignore Dr. Alexander Hoffmann, Visitator DaR
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24.01.2015

Beachten Sie bitte unsere neuen Termine für das Jahr 2015
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23.01.2015

Lesen Sie den Artikel zum neuen Katholischen Verein St. Clemens – Werk
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11.12.2014

Lesen Sie die Weihnachtsgrüße von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke und Monsignore Dr. Alexander Hoffmann, Visitator DaR
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20.11.2014

Beachten Sie unsere aktuellen >> Termine

22.07.2014

Die Seelsorgstelle ist umgezogen - laden Sie sich hier eine Postkarte mit den neuen Kontaktdaten als PDF-Datei herunter.

16.05.2014

Lesen Sie den Artikel: Romfahrt 2014 - Eine Nachlese:

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28.03.2014

Schauen Sie sich die neuesten Termine an:

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Lesen Sie die Ostergrüße von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke und Visitator Msgr. Dr. Hoffmann

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Neue Pressemeldung zu Wallfahrten

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21.01.2014

Würdigung von Herrn Weihbischof em. Dr. h.c. Gerhard Pieschl

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26.11.2013

Lesen Sie die Weihnachtsgrüße von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke und Visitator Msgr. Dr. Hoffmann

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16.06.2013

Laden Sie sich den aktuellen Novosibirsk-Rundbrief als PDF-Datei herunter

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23.02.2013

Lesen Sie die Predigt der Wallfahrt nach St.Antonius von Erzbischof Meisner

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21.02.2013

Lesen Sie die Ostergrüße des Vertriebenenbischofs Dr. Reinhard Hauke und Visitator Msgr. Dr. Hoffmann

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19.02.2013

Aktuelle Termine für das Jahr 2013

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17.12.2012

Lesen Sie die Weihnachtsgrüße von Msgr. Dr. Alexander Hoffmann, Visitator DaR sowie Weihbischof Dr. Reinhard Hauke

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28.07.2012

Kardinal Joachim Meisner kommt nach Kevelaer

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17.03.2012

Interview Deutsch-Russischer Kurier mit Visitator Msgr. Dr. Hoffmann

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Zum Nachdenken ...

Besinnliches von der Seelsorgstelle

Hier finden Sie Texte und Predigten, die Sie zum Nachdenken anregen sollen.

Gott ist treu - ein paar österliche Gedanken

Ostergruß von Monsignore Dr. Alexander Hoffmann, Visitator für die Gläubigen aus der GUS

Am Wochenende vom 6. März feiern die beiden großen Kirchen den Laetare Sonntag. Das lateinische Wort laetare (lätare) wird mit „freue dich“ übersetzt und will sagen, die Trauer ist vorüber, die Erlösung, die Auferstehung naht. Die Botschaft dieses 4. Fastensonntags ist also eine Freudenbotschaft, die wir mit den Worten des Philipperbriefes verbinden dürfen: Gott ist treu, er wird das Gute, das er bei uns begonnen hat, auch vollenden (nach Phil 1, 6).

Die Zuversicht dieser Worte gilt unserem Mühen um Umkehr und Erneuerung in dieser Fastenzeit. Sie wollen uns an schwierigen Wendepunkten unseres Lebens auch sagen - auf Gott ist verlass, er steht zu seinem Wort.
Im Alltag schätzen wir verbindliches Verhalten bzw. Verlässlichkeit. Weniger schätzen wir die Eigenschaft, sich wie ein Fähnchen im Wind zu drehen. Auf solche Menschen ist kein Verlass. Wir machen oft die bittere Erfahrung - gute Freunde sind rar.


Quelle: Fotolia.com

Im Blick auf die Beziehung Jesu zum Vater wird gerade die Tatsache, dass Jesus seinem Auftrag, seiner Mission treu blieb, der Grund dafür, dass Gott ihn im Tod nicht untergehen ließ, sondern ihm neues und ewiges Leben schenkte. Wer also anderen Hoffnung schenkt, so dürfen wir sagen, wird auch selbst im Tod nicht untergehen. Das ist die hoffnungsvolle Botschaft, die von Ostern an uns ergeht.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an einen jungen Mann, der mir vor einiger Zeit eine E-Mail schrieb, in der unten als Motto der Satz angefügt war: "Die größten Menschen sind diejenigen, die anderen Hoffnung geben können." Mir scheint, dass dieses Motto seine Kraft aus der Botschaft von Ostern schöpft.

Wo wir bemüht sind als Menschen zu leben, die anderen Hoffnung zu geben versuchen, spüren wir, dass es meist kleine Zeichen sind und dass wir kaum Berge versetzen können. Dennoch halten gerade die kleinen Zeichen die Hoffnung auf sinnerfülltes und ewiges Leben wach. Alles andere dürfen wir Gott überlassen im Sinne des Philipperbriefes – „er wird das Gute, das er bei euch begonnen hat auch vollenden“.

Liebe Landsleute,
Liebe Schwestern und Brüder,

ich wünsche Ihnen ein frohmachendes und lichtvolles Osterfest, das unser Suchen und unseren Willen nach Hoffnung und Zuversicht stärkt und uns Zeugen dieser Hoffnung sein lässt, dazu verhelfe uns der gütige Gott!

In der Karwoche und in der Feier der Osternacht mit Ihnen verbunden,
Ihr
Msgr. Dr. Alexander Hoffmann, Visitator DaR


Und das Licht leuchten in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst (Joh 1,5)

Der Advent und die Weihnachtszeit leben von der Lichtsymbolik. Ich bin sicher, dass alle Menschen – ob sie nun aus Syrien oder Eritrea, aus Kiew, Allenstein, Hamburg, Leipzig oder Ulm kommen – diese Symbolik verstehen. Das Licht der Kerze ist eigentlich ein kleines Licht, aber in der Vielzahl wird daraus ein Lichtermeer und macht die Nacht zum Tag. Diesen Eindruck habe ich, wenn ich auf den Erfurter Weihnachtsmarkt schaue. Es ist zwar Nacht, aber die hellen Lichter der Lämpchen und Kerzen machen das Sehen und Gehen in der Dunkelheit möglich, geben Orientierung und auch wohlige Wärme.
Im Erfurter Dom steht ein großer Bronzeleuchter – der sogenannte „Erfurter Wolfram“. Weil einer seiner Stifter Wolfram hieß, wurde er in der Kunstgeschichte so genannt. Nicht zu vergessen ist aber auch die Ehefrau Hiltiburg, die auf einer Inschrift am Gürtel des „Wolfram“ genannt wird. Sie wird ihrem Ehemann Wolfram wohl die Idee für die Stiftung gegeben haben, denn Sinn für das Schöne ist wohl zuerst eine Eigenschaft der Frauen.
Ein Mann ist hier dargestellt, der zwei Kerzen hoch in die Luft hält. Er steht auf einem Sockel, an dem sich Unholde zeigen, über die er sich erhebt. Er selbst ist nicht das Licht, sondern der Lichtträger. Es braucht aber einen solchen Lichtträger, damit das Licht einen festen Standpunkt hat und an die Stellen kommt, wo die Dunkelheit herrscht.
Unser „Erfurter Wolfram“ leuchtet in den großen Kirchenraum. Im Advent werden die Besucher des Domes eingeladen, vor ihm zu stehen, wenn der Kirchenraum ohne Licht ist und nur die beiden Kerzen des Wolfram Licht spenden. Da ist es noch dunkler, als draußen am Weihnachtsmarkt, ist, tritt die Bedeutung des Lichtes kräftig hervor. Ohne die beiden Kerzen, ohne dieses Licht würden wir stolpern und hinfallen.
Ich bin dankbar für diesen kostbaren Leuchter, der nun schon 800 Jahre mit seinen Kerzen leuchtet.

dieses Bild zeigt eine Skulptur mit Kerzen

Ich bin dankbar für das Licht, von dem er erzählt: Das Licht Christi, das in der Dunkelheit der Welt aufgrund der Kraft Christi leuchtet und Hoffnung bringt. Es ist ein barmherziges Licht, das sich nicht aufdrängt, sondern einlädt, sich in seiner Helligkeit aufzuhalten und zu wärmen.
Ich bin dankbar für meinen Glauben an Christus, der sein Licht der Liebe und des Erbarmens in diese Welt gebracht hat und für den wir einen Willkommenskultur an Weihnachten entwickelt haben. Wenn Christus und seine Eltern auch Flucht und Vertreibung erlitten haben und sich ihnen nicht immer helfende und schützende Hände entgegengestreckt haben, so hat Christus doch zu solchem Tun mit helfenden Händen eingeladen, als er die Kinder auf die Arme nahm, um sie zu segnen, als er die Tochter des Jairus bei der Hand nahm, die gestorben war und er zum neuen Leben erweckte und als er zum reumütigen Schächer am Kreuz sagte: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“
Freuen wir uns an diesem Licht und laden wir alle Menschen ein, in ihr eigenes Leben das Licht der Hoffnung, der Liebe und des Friedens zu bringen.

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke


Weihnachten verbindet

Weihnachtsgruß von Monsignore Dr. Alexander Hoffmann, Visitator DaR

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Dieser Satz von Herrmann Hesse gilt in besonderer Weise für diesen ökumenischen Jugendschreibwettbewerb, den wir im Dezember 2014 gestartet haben und der nun mit der Prämierung der Sieger am 06.12.2015, dem St. Nikolaus Fest, zu Ende geht.

In einem sehr gemächlichen Tempo trafen die ersten Arbeiten ein und als wir zu zweifeln begannen, ob das Unternehmen überhaupt noch an Fahrt gewinnen würde, wurden wir von Beiträgen überrannt; bis zum Schluss gingen über 50 Arbeiten ein. Die Jury bestand aus den Schriftstellern Arthur Böpple, Agnes Gossen-Giesbrecht, Wendelin Mangold, dem Bundesvorsitzenden unserer Landsmannschaft Waldemar Eisenbraun, dem Jugendverbandsvorsitzenden Walter Gauks, und uns, den kirchlichen Vertretern der Evangelischen und der Katholischen Kirche. Wir hatten in den vergangenen Monaten ausreichend zu tun mit dem Lesen, Bewerten und Übersetzen der eingegangenen Arbeiten. Schließlich mussten die Beiträge für die nähere Auswahl auch lektoriert werden, was Frau Martina Leon aus Rheinbach mit großem Wohlwollen und Sachkenntnis geleistet hat. Ihnen allen gebührt ein großer Dank!

Der ökumenische Schreibwettbewerb trug das Motto „Weihnachten verbindet“. Die Absicht der Autoren des Projekts war, junge Menschen aus Deutschland und Russland in eine Auseinandersetzung mit einem stark domestizierten christlichen Fest zu bringen, und in einem weiteren Schritt auch in ein grenzüberschreitendes Gespräch zu einem Thema von grundlegender Bedeutung für uns Christen: Gott ist Mensch geworden. Dieser kurze Satz drückt eine zentrale christliche Botschaft aus und ist zugleich das Einende und Verbindende Fundament für uns Christen - über alle Grenzen, Sprachen und Kulturen hinweg. Durch die Menschwerdung Gottes haben wir alle die gleiche Würde - Männer und Frauen, Kinder und Greise, Afrikaner, Asiaten und Europäer. Der leere Stuhl am weihnachtlich gedeckten Tisch, Geschenke, die in Kinderheimen an Heilig Abend die Trauer vertreiben, Geschenke, die wir an Heilig Abend einander machen – all das sind Zeichen liebevoller Zuwendung, die im Kommen Gottes in die Welt ihren Ursprung haben. Von diesen Zeichen ist in den Geschichten der Jugendlichen die Rede. Ihre Beiträge werden nun mit Unterstützung der Landsmannschaft in Stuttgart in Form eines Buches auch dem interessiertem Publikum zugängig. Dafür möchten wir im Namen der Jury danken.

dieses Foto zeigt eine Krippe

Besonderer Dank gilt den Teilnehmern dieses Schreibwettbewerbs für ihre Beiträge und ihr Engagement – auch unseren allerjüngsten Ansgar, Coralie, Jost und Arvid - und wir wünschen uns allen für das kommende Weihnachtsfest wieder so viel der guten Mär zu erfahren, dass unser Herz davon auch weiterhin sing und sagen will (GL 237, 1(ö) Vom Himmel hoch, da komm ich her)

Im Advent und am Fest der Menschwerdung Jesu Christi mit Ihnen verbunden,
Ihre

Msgr. Dr. Alexander Hoffmann
Beauftragter der DBK
für die Gläubigen aus der GUS

Pfr. Edgar Born,Studienleiter
Beauftragter der EKvW
für die Aussiedlerpastoral


Gruß des Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz an alle katholischen Christen, die eine Vertreibung und Flucht erlitten haben

Liebe Schwestern und Brüder,

mit großer Freude können wir heute am 20. Juni 2015 den 1. Gedenktag an Vertreibung und Flucht begehen, der durch die Bundesregierung eingeführt worden ist. Nach jahrelangem Bemühen ist es in einer Zeit gelungen, wo in der Welt wiederum etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht sind und ihr Leben vor Terror und Krieg in Sicherheit bringen wollen. Nach dem 2. Weltkrieg war die Ursache der Vertreibung eine andere! – das wissen alle. Die Wirkung jedoch war die gleiche, denn Hunger, Durst, Obdachlosigkeit und Angst, die Strapazen nicht zu bestehen, gab es damals und gibt es heute.

Wir Katholiken feiern diesen Tag an einem Samstag, der dem Gedenken der Gottesmutter Maria gilt. Maria und Josef waren mit ihrem Kind auf der Flucht nach Ägypten, weil sie dort Sicherheit für ihr Kind und sich erhofften. Sie haben sich dort eine neue Existenz aufgebaut. Sie lebten aber wie viele Flüchtlinge in der Hoffnung, wieder heimkehren zu können. Nach dem Tod des Herodes Antipas war es ihnen wieder möglich. Die meisten Vertriebenen des 20. Jahrhunderts konnten nicht wieder zurück. Sie fahren gern heute an die Orte ihrer Kindheit und helfen tatkräftig mit, dass die Kirchen, Kapellen und Friedhöfe in einem ordentlichen Zustand sind. Das ist für alle Vertriebenen auch ein Stück Versöhnung mit der erlittenen Geschichte.

Ich wünsche mir, dass für alle Deutschen dieser Gedenktag an einen bedeutsamen Abschnitt der deutschen Geschichte und Kirchengeschichte ein bleibender Anlass ist, an die Folgen von Krieg und Machtstreben zu erinnern, um Ähnliches zu verhindern. Ich danke Gott, dass er den zahlreichen Vertriebenen die Kraft gegeben hat, einen Neuanfang zu wagen. Möge Gottes Segen auch weiterhin auf ihrem Tun liegen und heilsam sein.

 

Erfurt, den 20. Juni 2015

+ Weihbischof Dr. Reinhard Hauke
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge


Ansprache – Bundestreffen 2015

Liebe Landsleute, Liebe Schwestern und Brüder

ein Freund, der auch ein Pfarrer ist, erzählte mir, vor einigen Jahren habe er eine Familie besucht, und als der Kaffee getrunken war, stand der Opa der Familie auf, er wolle schnell einen ganz besonderen Schatz holen. Im nächsten Augenblick war er auch schon wieder da und zeigte dem Gast seine alte Familienbibel. Er blätterte darin vorsichtig und achtungsvoll. Auf manchen Seiten war am Rand ein dicker roter Strich zu sehen. Der Pfarrer fragte neugierig: Warum die dicken Striche? Der alte Man antwortete: jeder Strich ist ein „Ja!“ bzw. ein „Ja, das stimmt!“
Was hat dieser alte Mann alles durchlebt und gesehen in seinem Leben. Was waren seine Fragen und welche Antworten suchte er für sein Leben? - Es wird einen Grund gehabt haben, dass es zur Gewohnheit wurde, immer ein bisschen in seiner alten Familienbibel zu lesen. Wo er etwas verstanden hatte, da hielt er an, verweilte und machte am Rande einen dicken roten Strich. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr.

Wie er das Buch in der Hand hielt, konnte der Gast spüren, wie wertvoll und heilig ihm dieser Schatz war, der ihm Frieden und Orientierung für sein Leben gab.
Frieden und Orientierung – das sind auch heute zwei ganz wichtige Wörter. Eltern sitzen oft allein in Ihren vier Wänden und sind mit ihren Gedanken bei ihren Kindern und Enkelkindern, manchmal in Sorge, wie das alles werden wird, mit ihnen selbst und den Kindern. Die Kinder haben heute sehr oft nur einen Freund, oder eine Freudin. Wenn sie umziehen müssen, geht meist die alte Beziehung kaputt, wieder eine neue Freundschaft; der Verdienst reicht meist nicht für Zukunftspläne aus, keine Familie, keine Kinder. Und dann sagen viele Eltern – „unsere Kinder gehen gar nicht mehr in die Kirche“. „Unser Sohn geht mit seiner Freundin zu einem Kreis, Gott weiß, was das wieder ist“. „Im Fernsehen haben sie gezeigt, dass die Iren und die Amerikaner jetzt Ehen von zwei Männern oder zwei Frauen haben werden“. Dann „der Krieg in der Ukraine - wir verstehen die Welt nicht mehr, ich kann schon gar nicht mehr den Fernseher einschalten…“ sagte neulich eine Russlanddeutsche aus Dortmund.
Nun. Der Opa, von dem der Freund erzählte, dem ging es während des Krieges und nach dem Krieg wohl auch nicht sonderlich gut, und er begann für sich persönlich nach einer Quelle zu suchen, die Ihm Trost und Orientierung geben könnte, und er fand diese Quelle in der Bibel, der Heiligen Schrift seiner Eltern.
Frieden und Orientierung suchen auch wir Heutigen, ob wir nun etwas reiferen Alters sind, oder jung. Wir können ohne Frieden und eigene Orientierung nicht leben, das zeigen die Sorgen und Fragen in den Seelsorgsgesprächen. Kann die Bibel auch heute noch Antworten auf unsere Fragen geben? – Ich erfahre es für mich immer wieder neu! Wie Millionen von Christen und Christinnen auf der ganzen Welt es für sich sagen würden… . Es gibt also eine große Gemeinschaft von Menschen, die so wie Sie und ich einen Weg mit Gott gehen und darin Frieden und Orientierung für das eigene Leben suchen und finden.
Unser Bundestreffen steht dieses Mal unter dem Motto: „Von Hilfesuchenden zu Leistungsträgern“. Allein auf unsere eigene Kraft bauend würden wir schnell an unsere Grenzen stoßen. Wer Verantwortung übernehmen will und sich als Leistungsträger versteht, braucht eine Quelle, die Zuversicht, Gelassenheit, die nötige Kraft und Orientierung schenkt. Heute wird es vielleicht nicht die Familienbibel, sondern eine kleine Taschenbibel sein, in der man rote Striche entdecken wird. Eine Reisebibel.
Mit diesem Lebensbegleiter in der Tasche, lasst uns an diesem Wochenende, auf diesem Bundestreffen den Mut fassen, mitreden, mitgestalten zu wollen in unserer Neue Heimat. Sie wartet auf uns! Die Kirchen warten auf uns, das Land wartet auf uns! – Für den Christen heißt das konkret: lebe, was du erkannt hast, setze um, was du da rot für dich unterstrichen hast.
Viele Menschen warten darauf. Es sind Menschen, die wie wir selbst, auf der Suche nach innerem Frieden und nach Orientierung sind, auf der Suche nach einer geistigen Heimat und manchmal auch ganz existentiell - nach einem einfachen Dach über dem Kopf. Sie alle brauchen Menschen, bei denen sie sich Rat für ihr Leben holen können. Deshalb - versuche zu leben, was du für dich unterstrichen, erkannt, verstanden hast. Versuch so zu leben, dass man dich fragt. So wird Gott auf deinem Wege mit dabei sein, dir Frieden, Kraft und Orientierung geben, damit Du mitwirken und mitgestalten kannst in dem Land, das Dir zur neuen Heimat wurde. Amen.


Ostergrüße 2015

Auf der Suche nach Spuren des Osterglaubens

Ostergruß von Monsignore Dr. Alexander Hoffmann, Visitator für die Gläubigen aus der GUS

Wie groß muss die Panik bei den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes gewesen sein, als sie sich in Sicherheit wähnend am Ostermorgen von den Frauen hören, sie hätten den Herrn gesehen…, er sei auferstanden.
Entsetzt bestechen sie kurzerhand einige Soldaten (Mt 28, 8-15), damit sie überall erzählen, dass Jesus gar nicht tot war, die Jünger Jesu hätten Ihn vielmehr aus dem Grab gestohlen, der Osterglaube sei also bloßer Unsinn.

Mit der Auferstehung hatten aber nicht nur die Machthaber ein Problem, auch die Jünger Jesu taten sich am Anfang schwer. Vom Apostel Thomas ist der Satz überliefert: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meine Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht“ (Joh 20, 25).

Wie steht es mit uns modernen Menschen heute? Glauben wir an die Auferstehung Jesu?

dieses Foto zeigt das Fastentuch

Fastentuch 2015 im Bonner Münster von Michael Franke

Denkt man an die gut gefüllten Kirchen in der Osternacht, wird man sagen dürfen: Irgendwie schon, wer würde sonst freiwillig am Ostersonntag um 05.00 morgens zur Osternachtliturgie kommen… .

Jesu Botschaft, sein Leben, sein Tod und seine Auferstehung müssen also tiefe Spuren hinterlassen haben, denn immerhin 2,2 Mrd. Menschen glauben heute weltweit an Jesus Christus.

Diese plakativen Hinweise reichen aber nicht aus, um an die Auferstehung Jesu zu glauben; wir müssen daher fragen - Wie kann man die hinterlassenen Spuren des Auferstanden „sehen“ und „erkennen“?

Wer die Evangelien liest, stellt gleich fest, die Texte spielen nicht mit Worten, sie wollen auch nicht genau eine Tat rekonstruieren oder etwas dringlich beweisen, es wird nicht fantasiert und auch nicht zu neugierig gefragt. Die Texte sind in ihrer Erzählung eher zurückhaltend, nüchtern könnte man sagen. Sie wollen nur eins - auf eine neue Dimension im Tod und auf eine geheimnisvolle Tiefe im Leben hindeuten. Die Sprache tut sich sicher schwer das auszudrücken, aber den Evangelien gelingt dennoch etwas wirklich Neues zur Sprache zu bringen. Der Leser stellt fest, es wird ein wirkliches Geschehen geschildert, das sich aber nicht in gewohnter „Manier“ erklären lässt. - Mit dem toten Jesus muss auf jeden Fall etwas geschehen sein, wobei als Akteur einzig und allein Gott selbst in Frage kommen kann.

Weiter lesend wird man sehen, dass die Auferweckung Jesu etwas mit seinem Leben vor dem Tode, also mit dem irdischen Jesus zu tun haben muss. Diesen Gedanken wird man nicht los. Ein Leben der Barmherzigkeit, der Liebe, der tiefsten Verbundenheit in Gott, dieses Leben ließ Gott nicht sterben. Die Menschen haben ja schon an dem, was er sagte und tat, gesehen: das geht über das rein Menschliche hinaus. Auferstehung hat also mit der Biographie Jesu zu tun. Doch automatisch schlägt das eine in das andere nicht um: vielmehr ist hier Gott im Spiel.

An der Person des Auferstandenen ist etwas unglaublich Neues, man könnte auch sagen: eine neue Welt sichtbar. Und die Jünger sehen im Auferstandenen diese neue Welt, die sich einstellt, wenn sich das Reich Gottes endgültig durchgesetzt hat. Sie sehen an der Gestalt des Auferweckten „den neuen Himmel und die neue Erde“; In dieser Welt gibt es den Tod nicht mehr.

Für uns Menschen ist so etwas schwer nachzuvollziehen. Dass ein Toter auferstehen kann, ist eigentlich undenkbar. Umgekehrt ist es genauso undenkbar, dass es in jener Welt, die an Jesus sichtbar wird und in der sich das Reich Gottes endgültig durchgesetzt hat, noch einen Tod geben kann. - Das genau begreifen die Jünger und Jüngerinnen am Ostermorgen als sie den auferstandenen Herrn sehen. An ihm zeigt sich: so wird die Welt sein, wenn das Reich Gottes alles durchdrungen hat. Der Tod ist nicht mehr!

Dann noch ein weiterer Gedanke: Ostern als Realität wird an Wendepunkten, die durch die Begegnung mit dem Auferstandenen verursacht wurden, erkennbar. Bei Paulus hat das Damaskusereignis sein Leben radikal verändert. Die anderen Jünger und Jüngerinnen waren nach dem Tod Jesu niedergeschlagen und weinerlich, richteten sich aber durch die Begegnung mit dem Auferstandenen auf. Sie werden mit einem Schlag zu Menschen, die voll wissender Hoffnung den Sieg des Lebens verkünden. Eine Täuschung, ein Trick kann kein Leben verändern.
Dies sind sehr kostbare historische Spuren der Auferstehung im Leben von historischen Personen.

Manchmal sagen heutige Menschen, ja die Jünger und Jüngerinnen damals haben große Vorteile gehabt; ihnen ist nämlich der Herr erschienen, uns aber nicht. Sie sahen ihn, wir hingegen können nur glauben. - Ist das wirklich so? War nicht auch bei ihnen der Glaube der Schlüssel, die Voraussetzung dafür, dem Auferstandenen zu begegnen? Denken wir nur an den Apostel Thomas. Gründe, nicht österlich zu glauben, hat es schon damals mehr als genug gegeben.

Deshalb können wir zusammenfassend sagen: „Ohne den Glauben wäre der Auferstandene niemandem zu Gesicht gekommen, denn der Glaube ist das Maß für das Unendliche. Er ist das Einfallstor des Gottesreiches - das zwar von Gott errichtet, aber von Menschen akzeptiert werden muss.“ Auch die Osterzeugen mussten damals glauben, und ohne ein inneres Bekenntnis kann im Leben eines Menschen keine österliche Wende geschehen. So handelt Gott in der Welt. Auf diese Weise zeigt er seinen Sohn, der lebt.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, diese Gedanken wollen helfen, sich dem Geheimnis von Ostern zu nähern. Erfahrbar kann dieses Geheimnis werden, wenn man das Osterfest selbst mitfeiert; in der Nacht mit einer Kerze in der Hand in der Kirche die berühmten Osternachtlesungen hört und bei den ersten Strahlen der Sonne das Gloria der Heiligen Messe mitanstimmen kann, sich vom Auferstandenen das Brot brechen zu lassen – das sind Erfahrungen, die Spuren in uns hinterlassen bzw. Erfahrungen, durch die der Auferstandene Spuren seiner Gegenwart in uns hinterlässt. Nehmen Sie dieses Wagnis auf sich, kommen Sie zur Feier der Osternacht in Ihre Kirche vor Ort und feiern Sie mit.

Ich wünsche Ihnen von Herzen ein frohes und gesegnetes Osterfest – der Herr ist Auferstanden, mit Ihm auch wir!

An den Ostertagen im Gebet mit Ihnen verbunden,

Ihr

Msgr. Dr. Alexander Hoffmann, Visitator DaR


Das Osterevangelium in kostbarem Rahmen

Ostergruß 2015 des Vertriebenenbischofs Dr. Reinhard Hauke

Von der Auferstehung Jesu Christi wissen wir durch die Heilige Schrift. Deshalb wird in der Osternacht feierlich das Evangelium vorgetragen, das vom Gang der Frauen zum Grab berichtet, von ihrem Erstaunen wegen des leeren Grabes, von der Begegnung mit dem Engel, der ihnen sagt: Der Herr ist auferstanden! Weil es sich um mehr handelt, als um tote Buchstaben, werden die biblischen Texte in kostbare Buchdeckel eingebunden. So ist es auch bei dem Evangeliar aus dem Jahr 1530 sichtbar, das im Erfurter Domschatz aufbewahrt wird. Christus, der Weltenherrscher und Richter der Welt ist auf dem Buchdeckel zu sehen. In Silber wurde das Bild Christi getrieben und kostbare Reliquien am Fuß Christi sind wie Edelsteine, die von der Bedeutung des Wortes Zeugnis geben. Heilige haben ihr Leben eingesetzt, damit das Evangelium von der Auferstehung Christi in allen Ländern bekannt wird. Daher ist das Schmücken der biblischen Texte mit Reliquien von Heiligen eine nachdenkenswerte Tradition.
Wir verehren das Wort Gottes, aber wir wissen auch, dass bis heute die Zeugen nötig sind, die uns sagen: „Das Wort von der Auferstehung Christi ist nicht toter Buchstabe. Es erfüllt mein Leben mit Hoffnung und Zuversicht. Es hilft mir, in der Bedrängnis des Lebens durchzuhalten.“ Weil ihnen das Wort Gottes wichtig war, haben auch zahlreiche Vertriebene die Gebet- und Gesangbücher aus der alten Heimat mitgenommen und als kostbaren Schatz gehütet. Sie haben damit zum Ausdruck gebracht, worin ihre Wurzeln bestehen. Beim Singen der Lieder und beim Beten mit den altbekannten Texten wurden ihre Erfahrungen mit dem Glauben lebendig. Erinnerungen an die Erstkommunion, Firmung, Hochzeit oder auch Beerdigung lieber Verwandter hängen an den Gebet- und Gesangbüchern. Die Osterlieder bekennen in eigener und persönlicher Sprache, was den Gläubigen wichtig und heilig ist. Mancher kennt sie noch auswendig und weiß um ihre tröstliche Nachricht.
Im Gesangbuch der Ermländer, das 1939 durch Bischof Maximilian Kaller für die Diözese Ermland herausgegeben wurde, findet sich das Osterlied:
1. Am Sonntag, eh’ die Sonn’ aufging,
und eh’ der helle Tag anfing,
besuchten die Marien drei
das Grab des Herrn mit Spezerei. Alleluja, Alleluja, Alleluja!
2. Noch waren sie vom Grabe weit,
da sprachen sie mit Traurigkeit:
„Wer wird uns wälzen von dem Grab
den großen, schweren Felsen ab?“ Alleluja, Alleluja, Alleluja!
3. Schau, Wunder! Als sie weiter gehn,
das Grab sie schon geöffnet sehn;
drin saß ein Engel hell und klar,
der wie ein Blitz im Antlitz war. Alleluja, Alleluja, Alleluja!
4. Der Engel sprach: „Ihr Frauen gut,
nicht fürchtet euch, seid wohlgemut!
Ihr sucht den Herren Jesum Christ,
der schon vom Tod erstanden ist.“ Alleluja, Alleluja, Alleluja!
5. Wir danken Dir, Herr Jesus Christ,
dass Du vom Tod erstanden bist,
dass Du zerstört des Feindes Macht,
das Leben uns zurückgebracht! Alleluja, Alleluja, Alleluja!

dieses Foto zeigt das eingerahmte Evangeliar

Evangeliar – Das Osterevangelium in kostbarem Rahmen

Freuen wir uns an diesem Osterfest 2015 über die kostbare Nachricht vom Leben ohne den ewigen Tod – mit alten und mit neuen Liedern.

+ Weihbischof Dr. Reinhard Hauke
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz
für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge


Weihnachtliche Gedanken

Weihnachtsgruß von Monsignore Dr. Alexander Hoffmann, Visitator DaR

dieses Bild zeigt eine weihnachtliche Szene

Geburt des Herrn, Apsis der Basilika Santa Maria in Trastevere, Rom.

Weihnachten ist immer mit einem geschäftigen Treiben verbunden, schließlich erwarten die Kinder, der Ehepartner, die Großeltern ein kleines (aber feines) Geschenk, auch das häusliche Ambiente muss ebenso auf Hochglanz gebracht werden – viel zu tun also vor dem großen Fest.
Meistens gibt es im Advent auch die Klage, dass es in den Wochen vor Weihnachten kaum Zeit für eine innere Vorbereitung und Einstimmung gibt. Ich will daher versuchen, ein paar kurze Gedanken zum Fest mit dem Weihnachtsgruß zu verbinden.

Das Weihnachtsfest kennt viele schöne Erzählungen, die je nach Blickwinkel, an ganz verschiedenen Seiten anknüpfen. Im Zentrum dieses Festes stehen zwei Wörter: „Menschwerdung (Gottes)“ und „Vergöttlichung (des Menschen)“. Die beiden Wortschöpfungen sind im Zuge langer Auseinandersetzungen und Klärungen entstanden. Das Wort „Menschwerdung“ stammt von Origines (gest. um 245) und benennt in einem Wort den inneren Kern der weihnachtlichen Botschaft, nämlich, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist. Was so leicht dahingesagt ist, war für die Menschen damals und ist auch heute noch etwas Rätselhaftes, Unglaubliches, religionsgeschichtlich Revolutionäres: Gott verlässt die Verborgenheit, nimmt in Jesus Christus Form und Gestalt an und erzählt uns wie und was Gott ist, wobei der „irdische“ Sprecher Jesus von Nazareth selbst Gott bleibt. Wir haben nicht viele Möglichkeiten dieses Geheimnis zu erklären, eigentlich gar keine. Ein einfaches, offenes und freies Herz, heißt es, sei diesem Wunder näher als ein gebildetes … .

Gott wird Mensch! Betrachtet man das Faktum selbst und bleibt nicht bei der spekulativen Frage, wie denn das alles möglich sei, stehen, dann wird der Blick zum ersten Mal für das eigentliche Ereignis frei. Gott ist aus Liebe zu uns Menschen einer von uns geworden. Die trennende Wand zwischen Gott und Mensch wurde niedergerissen; streng genommen gibt es kein Jenseits und Diesseits mehr. Mit dem neugeborenen Jesuskind in der Krippe ist auch Gott sichtbar in der Welt erschienen.

Dieses Ereignis hat die Situation des Menschen unumkehrbar verändert. Wenn wir heute von Menschenrechten und der unantastbaren Menschenwürde sprechen, so hat diese Errungenschaft der Zivilisation ihre Wurzel fundamental in der Botschaft von Weihnachten bzw. im Ereignis der Menschwerdung Gottes. Man könnte auch ganz allgemein sagen, es hat seine Wurzel in der Liebe Gottes zum Menschen.

Während das Wort Menschwerdung die Bewegung Gottes in die Welt, also nach unten, zur Sprache bringt, versucht das Wort „Vergöttlichung“ die Bewegung nach oben bewusst zu machen, m. a. Worten, die Menschwerdung Gottes öffnet einen neuen Blick auf den Menschen, macht uns nochmal deutlich, dass wir Ebenbild Gottes sind, Töchter und Söhne des Vaters.

Das Bemühen, den Menschen dies bewusst zu machen, war in der griechischen und in den östlichen Kirchen immer stärker beheimatet als in der katholischen bzw. in den westlichen Kirchen. So heißt es bei Irenäus von Lyon (gest. um 202): „Christus sei geworden, was wir sind, damit er uns vollkommen zu dem mache, was er ist“ 1). Noch deutlicher drückt er diesen Gedanken an einer anderen Stelle aus: „Dazu nämlich ist das Wort Gottes Mensch geworden und der Sohn Gottes zum Menschensohne, damit der Mensch das Wort Gottes in sich aufnehme und an Kindes statt angenommen, zum Sohne Gottes werde“ 2). Aus dieser spirituellen Dimension, die von der Teilnahme des Menschen am göttlichen Leben spricht, lebt das östliche Mönchtum und die östliche Liturgie.

Was können diese Gedanken, was will die Botschaft von Weihnachten uns Heutigen sagen? Mit dem Blick auf unsere globalisierte Welt müssen wir feststellen, dass die Menschen in ihr entwurzelt und verunsichert leben. Die Herausforderungen sind heute komplexer und die Antworten schwieriger zu finden. Wir tun in dieser Situation gut daran, die geistigen Schätze anderer christlicher Konfessionen immer mit zu bedenken, um an Weihnachten aus der ganzen Fülle unseres christlichen Glaubens schöpfen zu können. Johannes Paul II. hat einmal gesagt, dass Europa mit zwei Lungenflügeln atme und nur wenn beide zusammenatmen, ist Europa lebens- und überlebensfähig. Er meinte dabei das christliche Erbe in Ost und West, deren geistige Schätze uns heute helfen können, Unsicherheiten und Zweifel zu bestehen und für die Welt eine echte Hilfe zu sein.

Die Botschaft von Weihnachten gewinnt mit dieser Haltung eine vergessene, vernachlässigte aber zugleich tiefere Sicht der Weihnachtsbotschaft wieder zurück: Wenn Gott liebend einer von uns wurde und uns am Geheimnis Gottes teilhaben lässt, dann verändert das auch den Menschen selbst, es macht ihn Gott ähnlicher, macht ihn – wie Irenäus sagt – zu einem Sohn bzw. zu einer Tochter Gottes. So gesehen zeigt das Wort „Vergöttlichung“ eine Aufwärtsbewegung zu Gott hin an, eine Verbundenheit oder gar Einheit mit Gott. Dass dies nicht bloß Gedankenspiele sind, bezeugen die im Gebet erfahrenen Mönche der östlichen Klöster. Als Beispiel möge hier das Buch „Auf den Bergen des Kaukasus“ erwähnt werden. Es ist das Verdienst der östlichen Kirche, diese im Westen unterbetonte Implikation des Weihnachtsevangeliums hochgehalten und gelebt zu haben.

Angesichts der grausamen Kriegsbilder, des massenhaften Mordes und der Flucht von Millionen von Menschen, der Ausbeutung, des Hungers und der Krankheiten in der Welt ermahnt uns das Fest der Menschwerdung Gottes erneut daran, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist und seine Würde unantastbar.

 

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

möge das Weihnachtsfest uns Frieden bringen, mögen die Menschen in den Kriegsregionen, in den Flüchtlingslagern, die Flüchtlinge in unserer Nähe durch uns die Freude der weihnachtlichen Botschaft erfahren; beten wir für sie und unterstützen wir sie – vielleicht mit einem Weihnachtsgeschenk oder gar mit einer Einladung nach Hause. Es ist nicht sehr lange her, dass wir selbst Fremde in einem fremden Land waren.

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und Gottes Segen für das kommende Neue Jahr 2015!

 

An den Weihnachtstagen im Gebet mit Ihnen verbunden,

Ihr
Msgr. Dr. Alexander Hoffmann, Visitator DaR

1) Adv. Haer. III. 19,2, zit. nach: Neues Handbuch Theologischer Grundbegriffe, B. 2, S. 196, Kösel 2005.

2) Ebd.


Das Krippenholz

Weihnachtsgruß von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke

In der Kirche „Santa Maria Maggiore“ wird das Krippenholz verehrt. In einem kostbaren Reliquiar in Form einer Wiege sieht man Holzteile, die nach alter Tradition aus der Krippe in Bethlehem stammen. Oben auf dem Reliquiar ist das Christuskind dargestellt, das die Besucher segnet und zum Himmel weist. Nun kann ein Streit darüber entbrennen, ob es sich wirklich um das Holz aus der Krippe handelt, denn in Bethlehem zeigt man ja einen Steintrog, in dem das göttliche Kind gelegen hat. Ich würde jedoch lieber dazu einladen, über die Tatsache der Geburt eines Kindes in einem Stall nachzudenken, denn das allein ist ja schon Grund zur Frage. Wie kann das Gott zulassen? Sein göttlicher Sohn wird ein Kind, das unter ärmlichsten Verhältnissen geboren wird! Ist das nicht ein Skandal? Ja, es ist ein Skandal und Ärgernis, und das Krippenholz von „Santa Maria Maggiore“ weist zugleich auf den nächsten Skandal hin: der Tod Jesu am Holz des Kreuzes. Wie kann Gott das eine und das andere zulassen? Angesichts von Flucht und Vertreibung der Deutschen damals und der Syrer, Iraker und Afrikaner heute stellt sich die Frage immer wieder neu: Wie kann Gott das zulassen?

dieses Foto zeigt das Krippenholz

Neben der Antwort, die sich auf politische Entscheidungen durch König Herodes und Pontius Pilatus damals und durch Terrorgruppen heute bezieht, gibt es auch eine Antwort, die jedoch ein großes Gottvertrauen voraussetzt: Gott schreibt seine Heilsgeschichte auf krummen Linien. Wer in den Augen der Menschen als verloren und ungerecht verfolgt und verurteilt gilt, ist in den Augen Gottes ein Heiliger und Zeuge der Wahrheit. Eine solche Wertung als Nichtbetroffener vorzunehmen, ist immer riskant. Überzeugend sind dann die Aussagen der Leidgeprüften, die nach durchgestandener Verfolgung und Vertreibung sagen: „Ich habe die Hand Gottes gespürt, die meine Kinder überleben ließ und die uns die Chance eines Neuanfangs gab.“

Mag das Krippenholz auch zuerst weihnachtliche Gefühle auslösen, so erzählt es doch auch weiterhin von der Macht der Liebe, die in den Augen der Menschen oftmals als Ohnmacht erscheint. Am Weihnachtsfest bekennen wir uns zusammen mit allen, die heute unter der Macht des Bösen leiden zur dauerhaften Liebe Gottes.

 

+ Weihbischof Dr. Reinhard Hauke
Diözesanadministrator
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge


Ostergruß 2014 des Vertriebenenbischofs Dr. Reinhard Hauke

Ostersegen

Mit der Melodie des mir bekannten Osterlieds „Preis dem Todesüberwinder“ findet sich in einem Gesangbuch von Heimatvertriebenen der Text:

„Alleluja! Ostersegen, komm herab wie Morgentau, dich in jedes Herz zu legen, dass es froh nach oben schau, und zu neuem Wuchs und Leben sich in Christus mög erheben. Alleluja, Jesus lebt, Jesus lebt, Jesus lebt. Alleluja, Jesus lebt!“

dieses Foto zeigt den Papst

Der Dichter Heinrich Bone (1813-1893) nimmt Bilder, um zu beschreiben, was Ostern ist. Bilder können immer nur einen bestimmten Aspekt einer Wirklichkeit beschreiben und nennen andere Eigenschaft gar nicht. Daher ist es gut, die unterschiedlichen Bilder zusammenzuhalten und gemeinsam in ihrer Bedeutung zu erschließen, um die dahinterliegende Wahrheit zu erfassen, die eigentlich kaum verstehbar ist: Ostern.

Morgentau als Bild für Ostern bedeutet: Ganz leicht und sanft ist diese Nachricht. Sie erfrischt den Menschen fast unmerklich. Es gibt Gegenden, in denen sich die Pflanzen und Bäume ausschließlich vom Morgentau bewässern lassen, weil es sonst keine Niederschläge gibt. Wir wundern uns dann, wie sie überhaupt überleben können. Es ist ein Geheimnis des Morgens und seiner Frische. Ostern wird nicht von allen Menschen wahrgenommen. Auch den Aposteln fällt es schwer, der Botschaft von der Auferstehung des Gekreuzigten zu glauben. Allein die Begegnungen mit dem Auferstandenen haben dann die Wende in ihrem Denken erzeugen können. Diese Begegnungen aber bewirkte Großes. Die Apostel fanden darin Kraft zum Leben und Überleben, auch wenn die Sonne des Hasses heiß über ihnen brannte.

Ostern bewirkt die Bewegung nach oben in Jesus Christus – so sagt der Dichter des Liedes. Er formuliert es als Bitte und Hoffnung: Es möge so werden! Die Weitergabe des Osterglaubens haben viele Eltern und Großeltern, Seelsorger und Lehrer in allen Generationen versucht. Auch die Vertriebenen haben diesen Glauben tapfer weitergegeben, obwohl ihnen nicht immer nach Osterfreue zumute war. Wer es aber geschafft hatte, den Abgrund des Grabes und die Hoffnungslosigkeit zu überwinden, der hatte für sich und seine Mitmenschen einen großen Schatz bewahrt und konnte ihn weitergeben. Das Halleluja war ihm möglich, wenn ihm auch das „Miserere“ des Karfreitags in Erinnerung blieb.

dieses Foto zeigt den Papst

Unsere Osterlieder sind kein platter und billiger Jubel. Sie sind geprägt vom Suchen nach der unglaublichen Wahrheit, dass der Tod nicht das letzte Wort hat und durch Christus Leben in Fülle möglich ist. Der Ostersegen von Papst Franziskus am Ostersonntag ist ein wirkungsvolles Bild für das, was Gott tut: Er segnet uns in guten und bösen Tagen. Auch wir sollen füreinander zum Ostersegen werden.

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke
Diözesanadministrator
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge


Ostergruß von Msgr. Dr. Alexander Hoffmann

Ostergedanken: Mein Gott ist der verwundete Gott

dieses Foto zeigt ein Gemälde

Die Geschichte von der Begegnung des Apostel Thomas mit dem Auferstandenen Herrn (Joh 20, 24-29) ist für Christen ein zentraler Inhalt der Ostertage. Sie schlägt eine Brücke vom Geheimnis des Ostergeschehens hin zur Gemeinde der Glaubenden. Daher wird diese Erzählung auch immer wieder neu meditiert und betrachtet.
Der tschechische Religionsphilosoph Thomas Halik hat in seinem Bestseller „Berühre die Wunden“ diese Begegnung angesichts des Elends in der Welt neu zu interpretieren gelernt und kommt zum Schluss: „mein Herz und mein Glaube (gehören) nur dem Gott…, der seine Wunden zeigen kann.
In seinem Buch blickt Halik zunächst auf die Begegnung des Auferstandenen mit dem (ungläubigen) Thomas zurück und stellt fest, dass der Apostel Thomas wohl niemals zum Glauben gekommen wäre, wenn Christus ihm nicht seine Wunden gezeigt bzw. hätte berühren lassen. Der Auferstandene lässt also die (modern anmutende) Denkweise seines Jüngers gewähren, der Beweise sehen will für das unglaubliche Auferstehungsereignis und zeigt ihm seine geöffnete Seite und die Wundmale seiner Hände. Erst dadurch kann der Apostel bekennen: „Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20, 28).

Diese Geschichte auf die sympathische und sogar moderne Denk- und Glaubensart des Thomas zu reduzieren, würde dem Anliegen Jesu nicht gerecht werden. Es geht in dieser Erzählung ja zuallererst darum, den Auferstandenen Herrn zu verkünden. Wenn die Kirche es heute tut, dann kann sie es nur dem demütigen Beispiel Jesu getreu tun, und zwar in dem sie offen ihre eigenen Wunden zeigt... .
Mit Wunden sind selbstverständlich die vielen Glaubenszeugen, die ihr Leben für den Glauben hingegeben haben, gemeint; katholische, orthodoxe, evagelische Geistliche und ebenso laiengläubige Frauen und Männer, die z. B. bei den stalinistischen Pogromen ums Leben gekommen sind. Ihr Zeugnis leuchtet auch heute noch und ist für uns Bestärkung im Glauben.

Zu den Wunden der Kirche gehören aber auch ihre Fehler und Sünden. Im Gegensatz zu Christus, der in allem uns gleich war außer der Sünde, kennt die Kirche Sünde und Schuld. Diese zu verbergen, um das Ansehen der Kirche nicht zu beschädigen, verzögert die Umkehr der Kirche und läßt viele Menschen in ihrem Glauben verzweifeln. Die Offenbarungen der letzten Jahre haben in der Katholischen Kirche Sünden aufgezeigt, die keiner für möglich gehalten hätte. Die Auseinandersetzung mit diesen Fehlern und Sünden kann zur Umkehr und Erneuerung der Kirche führen. Verheimlichung, die in einer digitalen Gesellschaft ohnehin nicht möglich ist, führt zur Lähmung und einer Abkehr vom Glauben. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. und noch energischer sein Nachfolger Papst Franziskus gehen sehr konsequent gegen Missststände innerhalb der katholischen Kirche vor. Und schon entsteht neue Wertschätzung und Freude am Glauben, was die steigenden Pilgerzahlen in Rom beweisen. Dieser Weg der Reue und Umkehr muss ein bleibendes Merkmal der Kirche bleiben, will sie überzeugend die Botschaft Jesu weitersagen.

In den letzten Wochen fesseln uns die Ereignisse auf der Krim und in der Ukraine. Ohne eine Wertung der Ereignisse hier geben zu wollen, ist eines doch zu beobachten: Das russische Nationalgefühl, von der Orthodoxen Kirche entscheidend mitgetragen, hat sich noch zu wenig an den Wunden der kommunistischen Zeit gerieben und will lieber in die Zukunft schauen... . Ohne aber die Wunden der Vergangenheit immer wieder neu zu benennen und zu berühren, kann die verborgene Denkweise und Haltung des homo sowjeticus nicht überwunden werden. Eine Gute Zukunft, ein partnerschaftliches Verhalten auf Augenhöhe mit der Ukraine wird es ohne die aufgearbeitete Vergangenheit nicht geben können… und somit auch keine Entspannung.

Wunden berühren lassen. Dieses Beispiel Jesu gilt auch für jeden von uns. In einem gewissen Sinne ist diese Haltung sogar ein Zeichen von Auferstehung, ein Zeichen einer erlösten Existenz. Unser Weg im Glauben kann keinen Fortschritt machen, wenn er zwei Gesichter hat; ein verdrängtes und ein offizielles. Die Thomasgeschichte lehrt uns heute, dass Menschen nur dann glauben können, wenn unsere Wunden offenliegen und berührt werden können, wenn wir gefragt werden können, wie hast du deinen Weg geschafft, woher hast du die Kraft und den Sinn zu leben. Nicht aalglatt, sondern mit unseren Wunden bleiben wir für Suchende Menschen interessant.

Wenn wir dieses Jahr, „Auferstanden ist der Herr, Halleluja“ und unsere Brüder und Schwestern in der Orthodoxie „Христос воскрес, воистину воскрес“ rufen, dann vielleicht deshalb, weil wir in der Fastenzeit gelernt haben, unser (unliebsames) Kreuz nicht zu verdrängen, sondern auf uns zu nehmen, und – wie die Starzen es ausdrücken – das Antlitz Christi vor Augen unseren Weg in die Zukunft gehen. Die Wunden, die uns der Alltag schlägt und die wir in Verbundenheit mit Christus tragen, können Anderen zum Zeichen werden, dass wir mit Christus durchs Leben gehen und einst auch mit ihm auferstehen werden.

An den österlichen Festtagen im Gebet mit Ihnen verbunden,

Msgr. Dr. Alexander Hoffmann, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die DaR

1) Geboren 1948 in Prag. Studium der Soziologie, Philosophie und Psychologie an der Karlsuniversität in Prag (1972 Dr. phil.). Bis 1989 durfte er aus politischen Gründen nicht als Hochschuldozent tätig sein und war in unterschiedlichen Berufen, zuletzt als Psychotherapeut für Drogenabhängige, tätig. In den 1970er Jahren war er in der sog. „Untergrundkirche” aktiv. 1978 wurde er in der ehemaligen DDR (in Erfurt) heimlich zum Priester geweiht. Theologie studierte er geheim in Prag und nach 1989 postgradual an der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom. 1992 Promotion und Habilitation für praktische Theologie in Breslau, sowie für Soziologie in Prag. Seit 1997 ist er Professor für Soziologie an der Karlsuniversität in Prag. Nach 1989 hat er an vielen Universitäten in Europa, USA, Latein Amerika, Asien, Australien, Kanada und Südafrika Vorträge gehalten, Gastprofessor an der Universität in Oxford, Cambridge und Harvard. Heute Hochschulseelsorger in Prag und Präsident der Tschechischen christlichen Akademie. Er erhielt mehrere internationale Preise – Amerikanischen Toleranz-Preis (2002), Kardinal König Preis (2003), Romano Guardini Preis (2010), Ritterkreuz des Verdienstordens der Polnischen Republik (2012) etc. Er war ein externer Berater des tschechischen Staatspräsidenten Václav Havel. In seiner wissenschaftlich-pädagogischen Arbeit konzentriert er sich vor allem auf die Religionsphilosophie und Religionssoziologie. Er hat mehr als 300 Arbeiten (Artikel und Bücher) veröffentlicht. Sein Buch Geduld mit Gott wurde 2011 von der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie als bestes theologisches Buch in Europa ausgezeichnet.
2) Halik, Berühre die Wunden, 15.


Weihnachtsgruß von Msgr. Dr. Alexander Hoffmann

Die Hirten

Auf dem Berg Zion in Jerusalem befindet sich seit 1900 ein Deutsches Benediktinerkloster, die berühmte Dormitio Abtei. Jedes Jahr nach dem Heilig-Abend-Gottesdienst machen sich die Mönche auf den Weg und wandern zusammen nach Bethlehem, in die Geburtskirche Jesu, die etwa 7,5 Kilometer entfernt liegt.

Mit dabei haben sie eine lange Pergamentrolle, auf der unzählige Namen von Menschen aus aller Welt eingetragen sind und die sie in der Geburtskirche wie einen Teppich ausrollen werden, hin zu der Stelle, wo der Bibel nach Jesus geboren wurde. Viele Menschen, die schon einmal in der Geburtskirche waren, kennen diese Stelle, die von einem Silberstern verziert und von rot leuchtenden Kerzen umsäumt ist.

Für die Namen wird jedes Jahr eine neue Pergamentrolle verwendet. Wer an der Aktion teilnehmen und zumindest symbolisch mit seinem Namen den Geburtsort Jesu Christi besuchen will, der kann sich per Brief oder E-Mail an die Dormitio Abtei wenden und sich in die Rolle eintragen lassen (s. unten). Natürlich kann man die Mönche auch bitten, in der Geburtskirche ein Gebet für etwas Bestimmtes zu beten 1). Für eine Anmeldung bieten die Wochen im Advent noch ausreichend Zeit.

Ähnlich wie die Benediktinermönche werden an Heilig Abend auch bei uns Millionen von Menschen zu ihrer Kirche aufbrechen, die wiederaufgebaute Krippe mit dem lichtumstrahlten Jesuskind bestaunen und am Gottesdienst der Heiligen Nacht teilnehmen. Unterwegs werden wir uns vielleicht ein wenig wie die Hirten von damals vorkommen, wie Menschen, die es in die Nähe Gottes zieht. Dabei wäre wichtig sich in Erinnerung zu rufen, dass die Hirten damals in Vielem das Schicksal heimatloser Menschen teilten. Als Nomaden oder zugewanderte Fremdlinge lebten sie am äußersten Rand der Gesellschaft und waren von gesellschaftlicher Partizipation ausgeschlossen. Vorurteilen ausgesetzt, verdienten sie ihren Lebensunterlhalt im wenig geschätzten und bezahlten Beruf eines Viehhirten. Heute sind es die unterbezahlten Putzkolonnen und die Zeitarbeitsfirmen, in denen Zuwanderer am häufigsten arbeiten.

dieses Foto zeigt eine Krippe

Überraschenderweise wird gerade ihnen als erstes die frohe Mär, die frohe Nachricht durch den Engel verkündet; die Hirten werden die ersten sein, die dem göttlichen Kind in einer dürftigen Behausung außerhalb der Stadt ihre Ehre erweisen werden.

Gott kommt in diese Welt und wendet sich also zuallererst den Nichtetablierten zu, jenen, die außerhalb oder am Rande der Gesellschaft leben. Dies ist eine tröstende Botschaft für immer mehr Menschen auf diesem Planeten; für die Millionen von Vertriebenen und Heimatlosen, für die vielen Millionen auf der Suche nach menschenwürdigem Leben, für die Millionen von Bürgerkrieg und Hungersnot geplagten, für die Menschen ohne Arbeit und Auskommen. Nicht vergessen dürfen wir Hunderttausende von Jugendlichen aus Spanien, Portugal, Italien oder Frankreich, die auf der Suche nach Zukunft jedes Jahr ihr Heimatland verlassen müssen. Nicht vergessen dürfen wir unsere eigenen Jugendlichen, die von einer schlecht bezahlten Praktikumsstelle zur anderen wandern, auch nicht die abgeschobenen älteren Menschen.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Botschaft des Heiligen Abends nicht nur den Hirten gilt… . - Gott wird - aus Liebe zu uns Menschen – Mensch. Das will das Fest der Menschwerdung Gottes verkünden. Er nimmt die hilfsbedürftige Gestalt eines Kindes an und teilt unser Schicksal. Damit ist er in unser Leben eingetreten. Wir müssen die Last des Lebens nicht mehr alleine tragen, er kennt sie und trägt mit. Er will uns darüberhinaus das Vertrauen in die Zukunft zurückgeben, denn diese Welt ist nicht mehr Gott-los. Vertrauen wir darauf!

Möge die Zusage von Weihnachten, dass Gott unter uns wohnt und bei uns bleibt, uns auch im Neuen Jahr begleiten. Vielleicht schaffen wir es sogar, anderen auf ihren Wegen Mut zu machen, ihnen zuverlässige Freunde zu sein.

Und so wünsche ich Ihnen, liebe Landsleute, ein lichtvolles und gnadenreiches Weihnachtsfest und den Segen Gottes im kommenden Neuen Jahr 2014!

An den Festtagen im Gebet mit Ihnen verbunden,

Ihr

Msgr. Dr. Alexander Hoffmann, Visitator DaR

1) Wer will, kann auch eine Spende an die Mönche und ihr Kloster machen, wofür sie dankbar sind, denn eine Kirchensteuer kennt Israel nicht. Aber die Mönche betonen, ob mit oder ohne Spende – alle Namen, die ankommen, werden auf das Pergament eingetragen!

Information zur Aktion „Ich trage Deinen Namen in der Heiligen Nacht nach Bethlehem!“

Nach biblischem Verständnis ist in einem Namen die ganze Person präsent, die diesen Namen trägt. Und so nehmen wir Sie und die Ihren mit all Ihren Sorgen und Nöten und Gebetsanliegen, aber auch Ihrem Dank für das vergangene Jahr mit nach Bethlehem, zum göttlichen Kind in der Krippe!

Möglichkeit zu Kontakt und Rückmeldung:

weihnachtsaktion@dormitio.net

dieses Bild zeigt eine Schriftdieses Bild zeigt einen Priester


Weihnachtsgruß von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke

Mach Dich klein!

Wer die Geburtskirche in Bethlehem betreten möchte, muss durch eine enge Tür. Es heißt, dass die Tür zur Geburtskirche in Bethlehem vermauert und nur eine kleine Pforte belassen wurde, um den Feinden – wer immer es auch sein mag - den Eintritt in die Kirche auf hohem Ross zu verwehren. Das kann die Wahrheit sein oder auch nicht. Für mich ist die enge Tür ein bedeutsames Zeichen, denn es sagt mir: Wer dem Geheimnis der Geburt des Gottessohnes begegnen möchte, muss sich klein machen. Du kannst dem menschgewordenen Gottessohn nicht mit Stolz und Hochmut begegnen, denn er, der Gott war und ist, hat die menschliche Natur angenommen, um ganz bei uns Menschen zu sein (vgl. Phil 2, 6-11).

dieses Foto zeigt eine Szene in Israel

Die Größe Gottes besteht darin, dass er keine Angst davor, sich klein zu machen. Diese Entscheidung hat sogar das Missverstanden werden, Leid und Tod zur Konsequenz. Wir können nicht sagen, dass diese Konsequenz von Gott nicht einkalkuliert wurde. Sie wurde von ihm in Liebe angenommen und Jesus Christus ahnte und wusste, was passiert, wenn er sich als Verkünder des Gottesreiches wie die Propheten vor ihm für das Recht Gottes einsetzt: Er wird das Schicksal der Propheten erleiden. Schon an der engen Pforte in die Geburtskirche wird daran erinnert, dass derjenige, der Jesus nachfolgen will, in die Fußstapfen des Messias tritt und deshalb auch mit den Konsequenzen rechnen muss. Nicht nur die Christen in den arabischen Ländern sind wegen ihres Bekenntnisses zu Jesus Christus an Leib und Leben bedroht. Jeder, der das Gebot der Liebe zu Gott und dem Nächsten verkündet, muss mit Unverständnis rechnen. Zwar sind die Verfassungen vieler Länder noch vom Maßstab der 10 Gebote geprägt, aber die Akzeptanz dieses Maßstabs scheint zu schwinden.

Wenn wir Weihnachten feiern, dann kommt oftmals eine heimelige Stimmung auf und das wünschen wir uns auch so. Sie gehört zu unserer Tradition. Wir haben auch allen Grund, die Botschaft der Menschwerdung des Gottessohnes mit Freude und Dankbarkeit zu begehen, aber wir sollen dabei nicht vergessen, welche Liebe Gottes dahinter steht, die selbst das Kreuz nicht gescheut hat. Für mich ist dieses Wissen ein Grund noch tieferer Freude und Dankbarkeit, denn ich bin Gott auf der Spur, der meine Liebe grenzenlos übertrifft.

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke
Diözesanadministrator
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge


Gruß zu Pfingsten 2013 von Bischof Joseph Werth

Sie können sich den Pfingstgruß als PDF-Datei herunterladen - klicken Sie hier, um das Herunterladen zu starten.


Ostergruß 2013 des Vertriebenenbischofs Dr. Reinhard Hauke

Öl des Heiles

In diesem Jahr werde ich als Diözesanadministrator des Bistums Erfurt voraussichtlich die Missa Chrismatis im Erfurter Dom feiern. Auf jeden Fall bin ich dabei, wenn in diesem festlichen Gottesdienst der Karwoche die Heiligen Öle geweiht werden: Das Öl für die Katechumenen, das Öl für die Kranken und das Heilige Chrisam. Alle drei Öle bestehen aus Olivenöl. Dem Heiligen Chrisam wird Balsam beigemischt, um einen besonderen Duft zu erzeugen. In einigen österlichen Texten wird auf diesen Duft angespielt, wenn davon die Rede ist, dass die Neugetauften durch die Salbung mit dem Heiligen Öl einen Duft ausströmen. Nach dem Gottesdienst nehmen die Pfarrer die Heiligen Öle in ihre Gemeinden mit, um dort die Taufbewerber vor der Taufe zu salben und damit zu stärken auf ihrem Weg zur Taufe, um die Kranken mit dem Krankenöl zu trösten und zu stärken für ihren Weg in der Krankheit oder auch zum Sterben, um die Neugetauften Kinder und Erwachsenen mit dem Heiligen Chrisam für den königlichen Dienst des Christseins zu stärken.

dieses Foto zeigt Ölkännchen

Als Bischof bewahre ich einen größeren Anteil des Chrisam an einem besonderen Ort in meinem Haus auf, um für die Firmung oder auch Altarweihe eine ausreichende Menge an Öl bereit zu haben. Gern betrachte ich dieses Silbergefäß und freue mich darüber, dass die Kirche dieses Zeichen aufgrund der Worte in der Heiligen Schrift geschaffen hat. Wenn dort von Salbungen mit dem Heiligen Geist die Rede ist, dann ist wirklich ein Geistgeschehen gemeint, bei dem nicht unbedingt Salböl fließen muss. In der Synagoge von Nazaret zitiert Jesus aus dem Buch des Propheten Jesaja und sagt: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe“ (Lk 4, 18f). Wir alle, die wir gesalbt sind mit Katechumenenöl, Heiligem Chrisam oder auch schon einmal mit Krankenöl konnten dabei spüren, wie sanft und hilfreich Gott mit uns Menschen umgeht. Eigentlich gibt es keinen Grund ihn abzulehnen. Ich freue mich auf die Osternacht, wo ich vier Erwachsene taufen und mit dem Heiligen Chrisam bei der Firmung salben darf. Damit kommt Heil zu diesen Neugetauften, ihren Familien und der ganzen Gemeinde. Und die Getauften dürfen sich daran erinnern, wie sanftmütig Gott auch zu ihnen war und ist.

+ Weihbischof Dr. Reinhard Hauke
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz
für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge


Österliches Vertrauen

Der Weg durch die Fastenzeit hin zum Osterfest hat in diesem Jahr eine besondere Note. Am 11. Februar kündigte Papst Benedikt seinen Rückzug an und machte damit die Wochen der Fastenzeit zu einer „doppelten“ Besinnung; es geht nicht mehr nur um die ganz persönliche Frage, was muss ich bei mir ändern, sondern auch um die Frage, wohin muss die Kirche sich entwickeln, um Christus und den Menschen zu dienen. Der Heilige Vater hat mit seinem Rücktritt unmissverständlich gezeigt, dass wir Christen zuallererst Diener bzw. Arbeiter im Weinberg des Herrn sind, und dass sich dem alles Persönliche unterordnen muss.

Wir verstehen die Fastenzeit als eine Einladung, alle falschen Gewichte hinter uns zu lassen und vor dem Hintergrund des „Memento mori“ (gedenke, dass du sterblich bist) unser Fasten, Almosen, Beten… , nicht zu einem vorzeigbaren Event verkommen zu lassen. Ein Egoismus und eine Karrieresucht, die den Auftrag Jesu und die Sorgen der Welt nicht wahrnehmen, stellen eine große Sünde dar. Die Fastenzeit macht also deutlich, dass unser eigenes Heil und das Heil der uns anvertrauten Menschen aufs Engste verbunden sind. Die Menschen werden es der Kirche nicht nachsehen, wenn sie als letzter Zufluchtsort der Armen und Schwachen das Gebot Jesu verdunkelt oder gar missbraucht.
Im Nachrichtenwirrwarr der letzten Jahre wurde nicht mehr wahrgenommen, dass der Papst genau diese Fehler und Sünden mit ganzer Kraft bekämpft hat. Da aber seine abnehmenden Kräfte für seine Arbeit nicht mehr ausreichen, tritt er zurück, gewissermaßen betonend, die anstehende Arbeit verträgt keinen Aufschub.
Nachdem die Entscheidung Papst Benedikts bekannt wurde, wurde im Internet zu einer weltumspannenden Gebetsaktion eingeladen - als Dank für den scheidenden Papst, und zugleich für den Nachfolger auf dem Petrusstuhl der 1,2 Milliarden Katholiken. Die Gebetsaktion zeigt deutlich, dass die Menschen ihr Gottvertrauen nicht verloren haben. Umgekehrt, sie wünschen sich, dass die Sache Jesu weitergeht und noch klarer und deutlicher spürbar wird. Alle wissen oder ahnen zumindest, dass es weltweit kaum andere Institutionen gibt, von denen zu erwarten wäre, dass sie den Egoismus, die Geld- und Machtsucht hintenan stellen um für Gerechtigkeit und Frieden und gegen das Elend der Welt zu kämpfen. Die Menschen – auch die Kirchenfernen – verzeihen es nicht, wenn Kirchendiener sich der Welt anpassen, die Sicht und das Verhalten der Welt übernehmen, die Sorgen der Menschen dagegen aus dem Blick verlieren und sie im Stich lassen. Im Zorn der Menschen mahnt der Heilige Geist dem Auftrag Jesu gerecht zu werden.

dieses Bild zeigt den ungläubigen Thomas

Wir Christen sollten die Kritik, die an uns geübt wird, in Motivation umwandeln und tiefer sowie konsequenter die Botschaft Jesu leben. Der Heilige Vater hat ermahnt, nicht auf die Presse zu schimpfen, sondern die Sünde im Herzen der Kirche zu bekämpfen. Wer hat diesen Satz noch im Ohr? Die Gesellschaft heute ist kritisch, weil zu viel gelogen, zu viel geheuchelt und betrogen wird. Sie sind kritisch und zugleicht hungrig nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Vielleicht geht es den Menschen heute so wie dem ungläubigen Thomas in der Auferstehungsgeschichte – Worte genügen ihm nicht, er will Beweise sehen. Er will verstehen, was mit Jesus, dem Auferstandenen, geschah. Ein großer Skeptiker würden wir sagen, aber zugleich – und das ist entscheidend – ganz offen und voller Neugierde. Vielleicht konnte er an die Auferstehung Jesu deshalb nicht glauben, weil es bei den Jüngern noch zu viel Aufregung und zu wenig Gottvertrauen gegeben hatte… . Er will Gewissheit haben und sagt: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn meine Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht“. (Joh 20, 25) Jesus ließ ihn seine Wunden berühren. An seinem Aufschrei („Mein Herr und Mein Gott!) wird dann auch für uns deutlich, wie sehr doch der kritische und wahrheitssuchende Thomas das Heil zu finden erhoffte.

In seiner Art ist der Thomas-Jünger uns heute sehr nahe und sogar sympathisch, er ist stimmig in seiner Person und in seinem Wissenshunger zweifelsohne österlich. Der Auferstandene Herr lässt Thomas die Wunden berühren, damit er glauben kann. Papst Benedikt XVI. hatte die Demut gehabt, seine abnehmende Kraft und Schwäche öffentlich anzusprechen, er ließ sich berühren und öffnete damit der Kirche auf eine sehr menschliche und weise Art einen neuen Weg in die Zukunft. Nichts wird mehr so sein, wie es war. Mit seinem Rücktritt wählte Benedikt gewissermaßen den archimedischen Punkt, der in natürlicher Weise alles in Bewegen setzen wird. Mit diesem Schritt haben die Christen sehr anschaulich und überzeugend erlebt, was Kirche mit Demut und Aufrichtigkeit Gott gegenüber meint. Niemals geht es um mich selbst, wollte der Hl. Vater mit seiner Entscheidung sagen, sondern um das Amt Petri und die Zukunft der Kirche in einer immer schneller werdenden Welt. Diese Botschaft ist angekommen und löste das erwähnte weltumspannende Gebet aus. Ich lade Sie, liebe Landsleute ein, uns diesem Gebet um die Zukunft der Kirche anzuschließen, denn darin geht es um nichts anderes als um die Zukunft des Menschen.
Mögen diese letzten Wochen vor dem Osterfest von der Gewissheit getragen sein, dass der Herr uns nahe ist in dieser Zeit und unser aufrichtiges Mühen begleitet. Das Heilige Osterfest werden wir bereits mit dem neuen Heiligen Vater und Hirten der Kirche feiern. Lasst uns dieses Osterfest zusammen begehen und darum bitten, dass die Kirche noch glaubwürdiger das Evangelium verkündet, in einer Welt, die selbst auf viele Fragen Antworten sucht und die diesen heiligen Dienst von der Kirche erwartet.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes und freudenvolles Osterfest!




An den Festtagen im Gebet verbunden, Ihr

Msgr. Dr. Alexander Hoffmann, Visitator DaR


Botschafter der Zukunft

Msgr. Dr. Alexander Hoffmann

Dieses Foto zeigt die Ambo der Kathedrale von Karaganda

Ambo der Kathedrale von Karaganda. Darstellung der Verkündigung des Herrn. Foto: Natasha Galieva, Moskau.

Schon Anfang November schmücken grüne Zweige und bunte Glaskugeln die Schaufenster der Einkaufspassagen und spätestens dann ist für alle klar - der Geschenkekauf ist voll im Gange. Viel zu früh, wie ich meine, aber dann denke ich an die gehetzten Verkäufer …, wenn das Weihnachtsgeschäft sich nur auf den Dezember beschränken würde, dann wäre alles nur noch schlimmer. So aber darf vermutet werden, dass jene, die es wünschen, in den letzten Wochen vor Weihnachten etwas mehr Zeit zur inneren Vorbereitung haben.

Auch kirchlicherseits kündet sich Weihnachten - wenn auch leise - schon sehr früh an, nämlich bereits am 25. März, mit dem Hochfest Verkündigung des Herrn. Mütter werden hier verständnisvoll nicken, denn jede Schwangerschaft dauert neun Monate. So auch bei der Mutter Jesu. Das Hochfest im Frühjahr ist also der Vorbote von Weihnachten. Daher hat die byzantinische und seit dem 7.Jahrhundert auch die römische Kirche dieses Fest gekannt und gefeiert. Im Evangelium dieses Festes wird erzählt, dass ein Engel von Gott gesandt wurde, um Maria eine Botschaft zu überbringen. Der biblische Text gibt diese Szene sehr anschaulich und mit folgenden Worten wieder. Hier der Text in Kurzfassung:

In jener Zeit wurde der Engel Gabriel
Von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
zu einer Jungfrau gesandt.

Der Engel trat bei ihr ein
und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete,
der Herr ist mit dir.

Und dann heißt es:

Maria erschrak über die Anrede
und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria;
denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
Du wirst ein Kind empfangen,
einen Sohn wirst du gebären:
dem sollst du den Namen Jesus geben. (Lk 1, 26.28-31)

Entgegen aller Erwartung und Tradition, will ich bei diesem Text diesesmal den Blick auf den Engel richten. Ich vermute, dass bei den meisten erwachsenen Christen Engel kaum eine Rolle spielen. Wohl haben sie in der Kindheit davon gehört, vielleicht sogar beim Abendgebet den guten Engel um Schutz gebeten. Später gerät meist alles in Vergessenheit. Um so erstaunlicher war in den letzten Jahren zu beobachten, dass der Engelsglaube eine Renaissance erlebt hat. Die zahlreichen Bucherscheinungen zu diesem Thema belegen diesen Trend und wollen eigentlich sagen, dieser Glaube darf uns nicht verloren gehen.

Der Advent und die Weihnachtszeit geben reichlich Anlass über Engel nachzudenken. Und das nicht nur weil sie in den verschiedensten Varianten und von verschiedenen Künstlern fast auf jeder Weihnachstkarte zu sehen sind. Wer sind also diese Geschöpfe, welche Aufgabe haben sie, wie können wir sie bewußter in unser Leben einbinden?

Leichter tun wir uns, wenn wir einige Details aus dem Bibeltext des genannten Festes für uns hervorheben, z. B. dass Engel Namen haben („Gabriel“), dass sie unterwegs sind („Flügel“), einen Auftrag oder eine Botschaft haben („Von Gott… gesandt“). Die Art und Weise wie die Bibel von Engeln spricht, zeigt, dass Engel geistige Wesen sind, die einem Menschen die Botschaft Gottes überbringen und damit etwas über die Zukunft des Menschen sagen („Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben“. Auffällig ist oft der biblische Hinweis„ erschien im Traum“. Damit deutet sich die Brücke zu unserer eigenen Traumerfahrung an: Wir wissen mittlerweile, dass Träume wichtig sind und uns mitunter auch lange nicht loslassen, sodass wir uns fragen müssen, was will mir der Traum sagen? Wovor will er mich bewahren oder schützen?

Neben der ganz persönlichen Traumbotschaft kommt eine allgemeine Unsicherheit hinzu: Die Kinder gehen in die Schule und die Eltern hoffen, dass ihnen nichts Böses zustößt. Die jungen Menschen sind weit weg, in der Fremde, studieren oder arbeiten, erhalten Arbeitsverträge, die meist immer nur ein oder zwei Jahre gelten. Von den jungen Menschen wird „Flexibilität“ erwartet, sie müssen also immer wieder umziehen und neu anfangen. Wie und wann sollen sie Pläne für eine familiäre Zukunft machen?

Schwierig ist auch die Situation älterer Menschen; sie sind oft völlig alleingelassen, bei schlechter werdender Gesundheit müssen sie meist ins Altersheim, in eine völlig fremde Umgebung.

Sicher gibt es auch zahlreiche andere Gründe für das Wiedererwachen des Engel-Glaubens. Eines scheint heute für alle Menschen zuzutreffen: Man braucht heute wirklich einen guten Schutzengel, dass unser Leben gelingt und die Menschen glücklich sind.

In der oben genannten Bibelstelle verkündet der Engel Gabriel Maria eine frohe Botschaft. Diese ist für Maria zunächst mit einem Rätsel behaftet und sie überlegt, was diese Botschaft bedeuten könne. Als sie die Antwort nicht selbst finden kann („wie soll das geschehen…) fragt sie zurück. Die Engel tragen die Botschaft Gottes zu uns, und sie geben uns Antwort, wenn wir sie um Rat fragen, um Hilfe bitten, nicht weiter wissen. Ich bin überzeugt, dass der Evangelist Lukas, der gebildete griechische Arzt, diese Geschichte aus dem Leben Marias nicht aufgeschrieben hätte, wenn er uns nicht sagen wollte - mach es so wie Maria, sei so offen, dass du die Botschaft deines Engels hören kannst, und wenn du diese nicht gleich verstehst, so frage mutig zurück. Es ist nämlich eine Botschaft für deine Zukunft und ebenso wichtig – es ist immer eine gute, eine frohmachende Botschaft, selbst wenn die Antwort manchmal anders ausfällt, als wir Menschen es uns wünschen.

Wenn also Gott diesen Weg wählt, um sich Menschen aller Zeiten immer neu zuzuwenden, wenn er durch die Engel den Kontakt zu uns sucht, dann müssen wir uns fragen, ob wir da nicht etwas Kostbares und Hilfreiches aus dem Blick verloren haben, das uns heute im Alltag Schutz und Wegweisung geben kann. Im Leben der Mutter Jesu hatte der Engel diese Aufgabe, warum sollten wir daran zweifeln, dass diese auch uns zur Seite stehen können?

Ich wünsche Ihnen, liebe Landsleute, dass Sie im Advent nicht allein unterwegs sein müssen, dass Sie sich vielmehr begleitet wissen von einem guten Engel Gottes, der Sie sicheren Weges führt, und angesichts des sich ankündigenden Neuen Jahres 2013 Ihnen eine gute Zukunft verheißt.

An den Festtagen von Weihnachten und Neujahr
im Gebet mit Ihnen verbunden, Ihr

Msgr. Dr. Alexander Hoffmann, Visitator DaR

1) Abendgebete für Kinder gibt es viele und auch sehr schöne. Hier ein Abendgebet zum Schutzengel: Lieber Engel, gute Nacht/Halt an meinem Bette Wacht/Deck’ mich mit den Flügeln zu/Dass ich warm und sicher ruh/Bis die Sonne wieder lacht/Lieber Engel, gute Nacht. Autor: unbekannt

2) Sicher wäre an dieser Stelle noch nach weiteren Faktoren zu fragen, die die Rückbesinnung auf die Existenz von (Schutz-)Engeln gefördert haben, wie etwa die Erfahrung, dass immer mehr Christen durch die dünner werdende Präsenz der Kirche vor Ort, dann auch im Glauben heimatlos werden.


Sie fanden das Kind in Windeln gewickelt

dieses Foto zeigt ein Fatschenkind

Kennen Sie die Darstellung des Fatschenkindes? In Süddeutschland, in Österreich und bei den Vertiebenen ist diese Darstellung des Jesuskindes in einem Steckkissen bekannt. Die Tradition des Fatschenkindes wurde vermutlich in Klöstern erfunden, wo die Nonnen in der Weihnachtszeit in ihre Zellen eine Krippendarstellung bekamen, die sich wegen der Kleinheit der Klosterzelle auf das Jesuskind beschränkte. Als Sammler von Weihnachtskrippen und als Vertriebenenbischof war ich natürlich interessiert, auch ein Fatschenkind zu bekommen. In der Weihnachtszeit des letzten Jahres bot sich dazu eine Gelegenheit an und im Januar – gerade noch in der Weihnachtszeit - kam das Fatschenkind in meinem Haus an. Es zeigt das Kind in kostbar gestickten Windeln. Es lächelt mich aus einem freundlichen Gesicht an. Das Köpfchen ist mit goldblonden Locken geziert ist. Das Kind liegt in einem Glaskasten. Im Hintergrund ist auf einem grünen Damaststoff ein goldenen Kreuz gestickt.

Das Wort „Fatschen“ kommt wohl aus dem lateinischen Wort „fascia“ – Windel. Das Kind, das in Windeln gewickelt in einer Krippe lag, fanden die Hirten in Bethlehem vor. Die Windeln werden in der Tradition der Kirche als deutlicher Hinweis auf die Menschheit des Gottessohnes gedeutet. Wie jedes neugeborene Menschenkind brauchte auch das göttliche Kind die Körperpflege durch seine Mutter und die schützende Sorge seines Pflegevaters Josef. Die Reduzierung der Krippendarstellung auf das Kind wird bei Kindern und auch Erwachsenen nicht immer Anklang finden, aber sie macht aufmerksam auf Wesentliches: auf die Menschheit und damit Bedürftigkeit des Gottessohnes, der als Säugling seinen messianischen Weg beginnen wollte.

dieses Foto zeigt ein Fatschenkind

In den Weihnachtstagen sollten wir deshalb durchaus unseren Blick vor allem auf das Kind in der Krippe richten, das uns in seiner Bedürftigkeit an die Demut und Liebe Gottes erinnert und zugleich an die Kinder, die manchmal nicht einmal eine Windel haben. In der Sorge um sie können wir dem göttlichen Kind nahe sein.

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke


Ostergruß aus Jerusalem

Msgr. Dr. Alexander Hoffmann

Es ist kalt an diesem frühen Morgen in Jerusalem. Und es regnet, was vom Himmel kommt. Israelis freuen sich darüber, denn leere Zisternen im langen und heißen Sommer sind ein Albtraum... .

Dieses Foto zeigt den Blick auf das Damaskustor und die Grabeskirche (s. kleine und große Kuppel).

Ein Blick auf das Damaskustor und die Grabeskirche (s. kleine und große Kuppel).

Die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen eilen wir durch die dunklen und schmalen Gassen der Altstadt. Die kleinen Läden links und rechts sind noch zu, nur hier und da brennt Licht. Aus der Dunkelheit kommt uns ein Bäcker mit einem Wägelchen entgegen, voller wohlriechender Gebäcke. Kurz darauf biegen wir rechts in den Vorplatz der Grabeskirche ein. Unser Reiseleiter wartet bis alle da sind und sagt. „Wenn wir jetzt in die Grabeskirche hineingehen, um zu Beten und die Hl. Messe zu feiern, wird es anders sein als gestern, bei Tag und den vielen Touristen. Das werdet ihr drinnen spüren.“

Drinnen kam uns im Kerzenlicht eine andere deutsche Gruppe entgegen, die noch früher zum Hl. Grab kam, als wir. Vorne sah ich eine beleuchtete Tür, die Sakristei. Der junge Franziskaner nahm uns freundlich auf. Dann die Heilige Messe im Grab. Im Grab, wo sich der kleine verzierte Altar befindet, haben nur vier Menschen Platz, die anderen stehen draußen, in einem eigens dafür abgetrennten Vorplatz. Unter dem Altar befindet sich die Steinplatte, auf die Josef von Arimatea und Nikodemus (vgl. Lk 19, 38ff.) den Leichnam Jesu gelegt hatten.
Die Worte der Lesungen, die sonst in der Osternacht erklingen, lesen sich wie ein detailierter Bericht. Ich selbst aber auch die Pilger – so spüre ich – hören ganz anders zu als sonst. Die Heilige Messe schlicht, jedes Wort von selbst irgenwie „gefüllt“, die Pilger in tiefer Andacht. - Es betet sich anders an diesem heiligen Ort.
Nach der Hl. Messe haben wir noch etwas Zeit, um zu den einzelnen Kapellen der orthodoxen Kirchen zu gehen. Für einen Augenblick bleiben wir vor einem großen Glasfenster stehen, das den Blick freigibt auf einen Felsen.
Der Berg Golgota. Überbaut von einer mitlerweile uralten Kirche, die außerhalb der damaligen Mauer liegt und den Berg miteinschließt, auf dem Jesus mit zwei weiteren Gefangenen gekreuzigt wurde. Das Lukas-Evangelium macht zum Ort noch weitere Angaben:

An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei. Lk 19, 41f.

Nach alter Überlieferung befindet sich an diesem Ort die Grabeskirche. Katholische und Orthodoxen Kirchen habe darin ihre Kapellen, in denen sie jeden Tag eine Hl. Messe feiern. Und weil jede christliche Gemeinschaft sehr genau auf ihre Rechte achtet, das Gebet aber immer wieder von Pilgergruppen, unachtsamen Touristen und pietätloser Kleidung gestört wird, gibt es an diesem Heiligen Ort auch immer wieder heftigen Streit, und manchmal sogar Prügeleien. Dennoch gibt es auch die andere Erfahrung: Wer etwas früher aufsteht, um vor Tagesanbruch um 5.00 oder 6.00 die Heilige Messe in der Grabeskirche zu feiern, geht anschließend sehr still und wortkarg hinaus in die engen Gassen des wiedererwachenden Stadt… .

Mit den Gedanken bin ich immer noch in der Grabeskirche und beim Lk-Evangelium. Hier werden Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung als ein Geschehen an einem Ort geschildert. Beim Lesen dieser Stelle, ist zu spüren, dass jedes Wort eine tiefe Bedeutung hat. Es ist auch davon die Rede, dass das Grab, in dem Jesus beigesetzt wurde, in einem Garten gelegen war. Jeder Deutsche aus Russland, der die Jahrzehnte vor und nach dem Zweiten Weltkrieg in Russland erlebt hat, weiß, dass der eigene Garten das Überleben der Familie gesichert hat. Dass also der Herr in einem Garten beigesetzt wurde ist bereits ein leiser Hinweis darauf, dass der Herr im Tod nicht bleiben wird, und dass das leere Grab zur Quelle, zum sprießenden Grün der neuen Kirche werden wird. Die ganz bibelfesten Christen werden an dieser Stelle sich auch an das Gleichnis vom Samenkorn erinnern, das in die Erde fällt und stirbt, damit im grünen Halm neues Leben sichtbar wird.
Die Bibelworte wollen nicht bloß schöne Erzählungen oder Geschichten sein, die Grabeskirche kein Museum: die Worte des Evangelium (übers.: Frohe Botschaft) wollen auch heute Wegweiser für mein und unser Leben sein. Sie wollen sagen, wie Billiardbälle von einem Ball getroffen in alle Richtungen ausschwirren, so ist es auch mit jedem Tun, - es wirkt fort! Durch die freie Selbsthingabe Jesu am Kreuz wird Gott seinem Sohn und damit uns allen Auferstehung und ewiges Leben schenken.
Diese Botschaft bleibt aktuell. Das kann heißen, dass ein Handeln im Sinne Jesu Früchte trägt, auch wenn wir diese nicht gleich sehen. Ein Leben aus dem Glauben als Laie oder Priester, die freiwillige und liebende Hingabe für die Seinen, all das trägt Früchte, auch dann, wenn wir manchmal glauben, es hat alles keinen Sinn. Das Bild des (grünen) Gartens, in dem der Leichnam Jesu beigesetz wurde, zeigt an, dass Jesus nicht im Tode bleiben wird, und unser Tun, Mühen und Leiden durch den Glauben in Leben gewandelt werden, sie stoßen unerwartet ein Fenster zu Gott auf.

Dieses Foto zeigt eine Malerei

Vor diesem Hintergrund sind auch Verzicht und Fasten, sind Zeiten des Gebetes in der Fastenzeit nicht ohne Wirkung. Um es praktisch zu machen - wer abends auf den Fernseher verzichtet, erfährt wie wenig er mit sich selbst und seiner Zeit anzufangen weiss, wie wenig er Herr über sich selbst ist. Hällt er durch, entdeckt er Wege, Dinge zu tun, die ihm wirklich Erholung, Zufriedenheit und ein erfülltes Leben bringen.

Nun sind nicht gleich alle Menschen praktizierende Christen. Aber viele unter Ihnen leben und handeln nach der Regung ihres Herzens und praktizieren Nächstenliebe. Und Jesus geht großzügig mit und Menschen um: „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“! Die zentrale Botschaft von der Auferstehung gilt der ganzen Schöpfung Gottes, gilt allen Menschen. - Auf dem Bild oben packt der Auferstandene einen Mann (Adam, stellvertretend für alle Männer) und mit der anderen Hand eine Frau (Eva, stellvertretend für alle Frauen) und zieht sie hoch an die Seite Gottes. Christus ist am Kreuz für uns alle gestorben und so lässt er auch niemand, der die Güte Gottes spürt und bejaht nicht im Tod, sondern nimmt sie mit zum Leben.

In kürze feiern wir wieder Ostern, feiern wir in unseren Kirchen das große Fest der Auferstehung Jesu. Nach einer langen Liturgie der Osternacht werden wir dennoch nicht ermüdet aus der Kirche heraustreten. Wir werden uns vielleicht sogar umarmen und uns gegenseitig ein frohes und gesegnetes Osterfest zurufen, weil Christus auferstanden ist und wir wissen, er hat es vor allem für uns getan … .

So wünsche ich Ihnen, Liebe Landsleute, ein frohes uns gesegnetes Osterfest, für Sie und Ihre Lieben, für die Jungen, die ihren Weg noch suchen, für die Väter und Mütter, für die Älteren und Kranken unter uns, und dass Gott uns Kraft und Zuversicht gebe für jeden Tag, den er in seiner Weisheit schenkt, damit wir in Freude und Dankbarkeit leben können.

An den Ostertagen im Gebet mit Ihnen verbunden,

Msgr. Dr. Alexander Hoffmann


Streit am Grab

Ostergruß 2012 von Herrn Weihbischof Dr. Reinhard Hauke

Dieses Foto zeigt eine Kirche in Israel

Die Gebetszeiten der verschiedenen christlichen Konfessionen in der Grabeskirche von Jerusalem sind genau geregelt. Ich habe dafür Verständnis, denn jeder soll zu seinem Recht kommen, an der heiligsten Stätte der Christenheit beten zu können. Wer zuwider handelt, wird gemaßregelt – manchmal sehr laut und deutlich. Bei meinem letzten Besuch in der Grabenskirche musste ich es miterleben: Ich hatte zu lange in der Grabkammer gebetet!

Streit am Grab Jesu ist nichts Neues. Als das Grab ohne Leichnam Jesu von den Frauen am Ostermorgen vorgefunden wurde, begannen die Gerüchte und Streitereien: Wer hat ihn weggenommen – gestohlen sogar? Wo ist er jetzt begraben? Maria von Magdala und auch die Jünger wollten es wissen. Als sie dann am Ostertag dem Auferstanden begegnen, wird die Frage nach dem Grab bedeutungslos. Es war und ist bis heute nur noch der Ort, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte! Es ist eigentlich keine Grabeskirche wie die des heiligen Franziskus in Assisi oder des heiligen Paulus in Rom. Hier finden wir noch einen Reliquienschrein. Diesen haben wir von Jesus Christus nicht.

Kreuzpartikel und auch der Heilige Rock Jesu werden verehrt. Ihn selbst finden wir in einer neuen Art und Weise. Er begegnet uns im Wort und Sakrament. Manchmal haben wir zwar den Eindruck, dass wir hier auch wie in ein leeres Grab schauen und nichts erkennen können. Wir streiten darüber, wie er jetzt unter uns sein kann und will. Ist die Eucharistiefeier eine reine Symbolhandlung zum Gedächtnis an den Tod und die Auferstehung Jesu oder ist er wirklich anwesend wie damals im Abendmahlsaal, am Kreuz und in Emmaus?

Wenn wir darüber streiten, kann ein neuer Denkprozess einsetzen. Im Jahr des Glaubens 2012 soll auch die Frage neu gestellt werden, wie und wo wir Christus berühren können, um von aller Lähmung, von aller Sprachlosigkeit und Besetztheit befreit zu werden. Ich empfehle, die Erfahrungen der Apostel und der heutigen Christen mit Jesus Christus zu studieren, die z.B. kürzlich bei einer Feier mit Taufbewerbern zu hören war: Mein Sohn war sterbenskrank. Ich habe gebetet, obwohl ich kein Christ war. Jetzt lebt er! Wer will da noch über die Kraft des Auferstanden streiten?

+ Weihbischof Dr. Reinhard Hauke
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz
für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge


Engel ohne Hände

Weihnachtsgruß 2011 von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge

Dieses Foto zeigt einen Engel ohne HaendeIm Kunstmagazin des Erfurter Domes lagern unter anderem auch Kunstwerke, die auf eine Restaurierung warten. Eine Restaurierung wird immer dann beauftragt, wenn eine Pfarrgemeinde Interesse an einer Ausleihe signalisiert hat. Eine Madonna mit Kind oder ein Kreuz hat schnell die Chance, einen Leihnehmer zu finden. Zu den derzeit noch „wartenden“ Kunstwerken gehört ein Engel. Aufrecht und mit langem Gewand steht er vor mir. Es ist zu vermuten, dass er früher auch gefaltete und anbetende Hände hatte. Diese sind jedoch verloren.

Weihnachtsengel stehen in diesen Tagen in Schaufenstern, auf Pyramiden und auch schon bei Weihnachtskrippen, die bereits auf den Märkten aufgestellt sind. Dort werden sie wohl alle in Ordnung sein und vielfach die Hände an Musikinstrumenten oder auch anbetend gefaltet haben. Mein Engel aus dem Kunstmagazin hat kaum eine Chance, in diesem Jahr in der Öffentlichkeit Gefallen zu finden. Er ist restaurierungsbedürftig. Es fehlen die Hände. Man ahnt nur, was er mit seinen Händen machen wollte: Gott verehren und anbeten.

Dennoch: Er regt mich an zum Nachdenken über die Engel und über das, was sie tun: Sie stehen vor Gott und beten ihn an – so erfahren wir es durch die Heilige Schrift. Zur Anbetung nehmen sie wohl ihre Hände, wie auch wir es tun. Dazu nehmen sie sicherlich auch ihre Stimmen, denn vom Gesang der Engel berichtet der Evangelist Lukas in der Weihnachtsgeschichte. Auf den Hirtenfeldern haben sie das „Ehre sei Gott in der Höhe“ gesungen und sicherlich gehört auch das „Halleluja“ zu ihrem Gesangsrepertoire. In der Heiligen Messe stimmen wir Menschen in den Gesang der Engel mit dem „Sanctus“ ein. Es ist gut, wenn uns in den großen Weihnachtsgottesdiensten dabei auch die irdischen Chöre mit ihrem Gesang helfen, damit es eine gute Harmonie mit dem Gesang der Engel im Himmel gibt. Aber auch ein Gotteslob mit Kinderstimme, Seniorenstimme oder sogar nur durch das Klatschen der Hände erfreut Gott in seiner Herrlichkeit. Wenn das Gotteslob aus frohem und gläubigem Herzen kommt, ist es kostbar in den Augen Gottes.

Der Engel ohne Hände hilft mir beim Nachdenken über Weihnachten. Er sagt mir: Ergänze Du mit Deinen Händen, was bei mir fehlt. Ehre Gott mit Worten, Gesang und Taten. Dann werden die Menschen spüren: Gottes Güte und Menschenfreundlichkeit ist auf der Erde angekommen – und das nicht nur vor 2000 Jahren in Bethlehem, sondern auch in diesem Jahr 2011 überall dort, wo wir als glaubwürdige Christen leben.


Ein ungewohnter Neuanfang

Weihnachtsgruß von Visitator Dr. Alexander Hoffmann
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Seelsorge an den deutschen Katholiken aus Russland und den anderen GUS-Staaten

Dieses Foto zeigt ein GemäldeIn den christlichen Kirchen beginnt wenige Tage vor Weihnachten ein geschäftiges Treiben: Tannenbäume werden aufgestellt mit Lichtern und Strohsternen geschmückt, die Krippe wird wieder mit viel Liebe zum Detail aufgestellt, geschmückt, mit Beleuchtung versehen. Am Heiligen Abend soll sich nicht nur das Auge freuen, das Herz der Kinder und Eltern soll höher schlagen, soll ergriffen werden durch den Blick auf das neugeborene Christuskind.

Doch mit dem Blick auf das Jesuskind in der Krippe erfasst das Auge zugleich mehr: Maria und Josef, die Eltern Jesu, auch zwei Tiere sind in der Mitte unübersehbar:Ochs und Esel, die beiden ergriffenen Bewunderer aus der Tierwelt. Die letzteren werden in der Bibel gar nicht erwähnt, gehören aber ganz unzertrennlich zur Krippe dazu und verraten bei längerem Betrachten eine gedankliche Komposition.

Die Mutter Jesu ganz in der Liebe ruhend und zugewandt zur Welt. Ihr Kind schützend liegt sie vor dem Eingang zur Höhle. Die Krippe scheint eher ein verzierter Sarkophag zu sein. Das darin ruhende Kind hebt sich von der Dunkelheit des Bodens ab und zieht mit seiner hellen Gestalt die Neugierde der beiden Tiere – Ochs und Esel – auf sich. Zu den Füßen Marias sitzt der Wächter, Beschützer und Ernährer Josef. Maria schaut nicht in Richtung ihres Kindes, sondern ist dem Betrachter zugewandt. Sie wird dem Betrachter und Beter als die neue Frau, die neue Eva vorgestellt, als Mutter aller Glaubenden und Mutter der Kirche. „So wie die Urmutter der Grund aller Lebenden war, ist die neue Eva die Mutter der ganzen neuen durch die Menschwerdung Gottes vergotteten Menschheit.“ Mit ihr – so ist das zu verstehen – hat ein Fest der Neuschaffung begonnen, durch Maria kann die „Erneuerung der Erdgeborenen“ , wie die Christen im Osten es ausdrücken, beginnen. Maria liegt vor dem Eingang zur Höhle den Menschen zugewand, sie auf sich ziehend und damit den Weg zum neugeborenen Herrn der Schöpfung zeigend. Die zärtliche und totale Nähe der beiden Haustiere Ochs und Esel an der Krippe machen deutlich, dass das Kommen des Gottessohnes in die Welt auch die Tiere anrührt, und ihre wie immer auch geartete, treue innere Ausrichtung auf den Schöpfergott aufleuchten lässt.

Das Jesuskind liegt in der Krippe, in einer Steinhöhle. Der Ikonenmaler wählt diese Darstellung nicht zufällig. Schon die sarkophagähnliche Krippe deutet auf Karfreitag hin, der aufgerissene Felsen und die leuchtende Gestalt des Kindes am Eingang der Höhle unterstreichen – Gott kam in seinem Sohn nicht nur in die sichtbare Welt der Lebenden, um sie aufzurichten und zu vergotten, sondern auch in die unsichbare Welt der Toten. Wie es im Glaubensbekenntnis der katholischen, orthodoxen und evangelischen Christen auch heißt: er ist hinabgestiegen in das Reich des Todes, in den äußersten Wilnkel dieser Welt um das göttliche Licht auch dort aufscheinen zu lassen, wo jede Hoffnung erloschen ist. Erst wenn dem Betrachter dieser von Liebe erfüllter Weg Gottes in den entlegensten Winkel der Welt aufleuchtet, bekommen Worte wie „Heiland der ganzen Welt“, „Fest der Neuschaffung“, „Erneuerung der Erdgeborenen“, „Maria, die neue Eva“, „Mutter der Kirche“ und der „neuen Menschheit“ sich mit Inhalt zu füllen, wird einem deutlich, wir brauchen das Weihnachtsfest mit seinen hellen Lichtenr, Gesängen und Freuden, wir brauchen dieses Fest für die Kinder und die Erwachsenen und wir dürfen dabei hoffen, dass wir alle mit jedem Weihnachtsfest tiefer hineinwachsen in das Geheimnis der ungeteilten Liebe Gottes zu seiner Schöpfung, zu seinen Geschöpfen. Und gerade in aussichtslosen Situationen des Lebens können wir mit einem Blick auf das Antlitz Christe „Ja“ sagen zum nächsten Schritt, den Gott für uns vorgesehen hat, dankend für das freudige und verständliche, einwilligend in das, was wir nicht verstehen. Ich möchte Sie daher ermutigen und einladen, auch wenn einige Kilometer oder U-Bahnstationen zu fahren sind, am Heiligen Abend zu Ihrer Kirche am Ort aufzubrechen und den Festgottesdienst mitzufeiern, vielleicht auch alleinstehende Mütter, Väter, Freunde einzuladen mitzukommen, damit das geheimnissvolle Licht dieses Abends das Dunkel erhellt, dass unsere Herzen lähmt, uns mehr zueinander führt, mehr Mensch werden lässt, wie Gott in Jesus Christus es uns vormachte – als zuwendungsbedürfitges und ganz authentisches Kind.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes und freudenreiches Weihnachtsfest, Gottes Segen und Kraft für die zu gehenden Schritte im Neuen Jahr 2012!

Visitator Dr. Alexander Hoffmann


Jesus lebt – mit ihm auch wir!

Im Herbst 2010 lief in unseren Kinos der Film „Von Menschen und Göttern“, gedreht vom französischen Regisseur Xavier Beauvois. Die Geschichte spielt in den 90er Jahren und beruht auf einer wahren Begebenheit.

Eine Klostergemeinschaft der französischen Trappisten lebt am Rande eines moslemischen Dorfes im algerischen Atlasgebirge. Die Dorfbewohner und die Trappistenmönche pflegen engste freundschaftliche Beziehungen. Eine Dorfbewohnerin, die vom eventuellen Rückzug der Mönche nach Frankreich gehört hat, drückt diese gewachsene Beziehung zu den christlichen Mönchen mit den Worten aus: „Ihr seid der Baum, wir sind die Vögel“. Sie wollte mit diesen Worten sagen, dass das Dorf ohne das Kloster nicht bestehen kann.

In der gleichen Region kämpfen Islamisten gegen das Staatsregime. Sie zerstören innerhalb kürzester Zeit auch die Idylle dieses beschaulichen Dorfes. Als bekannt wird, dass die Aufständischen die Mönche als Geisel nehmen wollen, um die Regierung zu erpressen, ruft Abt (Lambert Wilson) seine Mönche zu einer Beratung zusammen. Einer der Mönche, Bruder Luc (Michael Lonsdale), der Arzt ist und nicht nur die Klostergemeinschaft, sondern auch die im Kloster medizinische Hilfe suchenden Bewohner des Ortes betreut, antwortet auf die Frage des Abtes „Was willst du tun, möchtest du gehen oder bleiben?“ in großer innerer Gelassenheit: „Ich habe keine Angst mehr vor dem Tod, ich bin frei.“ Bruder Luc entscheidet sich zu bleiben.

Dieses Foto zeigt einen Himmel und Kreuze
Quelle : © Dmitry Sunagatov - Fotolia.com )

Über die Haltung von Bruder Luc nachdenkend, viel mir ein zentraler Satz aus dem Osterlob ein, das in der Osternacht gesungen wird: „Dies ist die Nacht, in der Christus die Fesseln des Todes zerbrach“. - Die Auferstehung Jesu befreit die Menschen von der Angst und der Macht des Todes, sodass sie frei und angstlos leben und handeln können. So wie Luc.

Diese Geschichte, aber auch die Lebensgeschichte vieler anderer Christen zeigt, dass es im Glauben einen Punkt gibt, an dem Drohungen, Repressalien und Benachteiligungen keine Macht mehr haben über persönliche Entscheidungen. Christen haben in ihrem Leben oft erfahren, wovon das Lied 258,3 spricht: „In wie viel Not hat …der gnädige Gott, über dir Flügel gebreitet“. Und im Blick auf Ostern glaubten und wussten die Christen, dass mit der Auferstehung Jesu der Tod seine Macht über die Menschen verloren hat. So kann Luc, der Arzt, sich für ein Bleiben im Dorf und im Kloster entscheiden. Aus dem gleichen Glauben heraus haben die Vorbeterinnen in Karaganda trotz drohender Gefängnisstrafe die Menschen zum Gottesdienst eingeladen, die Kinder im Untergrund zur ersten Hl. Kommunion vorbereitet, sind Priester für den Glauben ins Gefängnis gegangen und haben den Herrn nicht verraten. Sie alle hatten den Mut, sich staatlicher oder feindlicher Gewalt zu widersetzen, damit andere im Glauben an die Macht Gottes Leben können und den Mut nicht verlieren.

So wird zugleich auch deutlich, dass die Auferstehung Jesu nicht bloß etwas Jenseitiges und Fremdes, sondern durchaus etwas Diesseitiges und konkret Erlebbares ist. Der Trappistenmönch und Arzt Luc lebt als einer von der Angst des Todes Befreiter, und man darf sagen „im gewissen Sinne als ein Auferstandener“. Er lässt sich nicht einschüchtern von Rebellen oder Regierungssoldaten, er fürchtet nicht das Elend und die Armut und will an der Seite der Armen im Dorf bleiben. Das ist die Weise, wie der christliche Glaube das Antlitz der Erde erneuert und wie die Liebe Gottes in der Welt präsent bleibt.


Quelle: © Marcel Mooij - Fotolia.com

Sicher war dies die persönliche Art, wie Luc, der Mönch und Arzt, als ein durch den Glauben befreiter lebte. Doch das Leben Lucs kann auch uns ermutigen, uns ebenso für eine gute Sache einzusetzen. Betätigungsfelder gibt es viele: Nachhilfeunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund geben, vor Ort für Deutsche aus Russland Begegnungsmöglichkeiten schaffen, die Ecke des Privaten verlassen und zusammen mit einem Freund oder Bekannten an einer gesellschaftlichen oder kirchlichen Veranstaltung teilnehmen, bei der Wärmeküche mitarbeiten, sich politisch für unsere Landsleute engagieren, in der Kirche ein Ehrenamt übernehmen und Brückenmensch zu unseren Landsleuten sein. Diese Aufzählung kann man beliebig erweitern. Was würde mir liegen? Eines, das in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen ist möchte ich noch eigens erwähnen – beten: für die Kinder, die jungen Ehepaare, für Kranke und Sterbende, für Menschen, die von Katastrophen heimgesucht werden, für den Papst, all die Männer und Frauen, die Verantwortung tragen in Kirche und Gesellschaft … .

Wir werden als Christen überall gebraucht und überall soll man spüren, dass wir als Menschen leben, die ihre Kraft und ihren Mut woanders her haben, die nicht gedankenlos durch den Tag gehen und die Menschen sind, die widersprechen und sich für mehr Gerechtigkeit einsetzen. Ich wünsche Ihnen, liebe Landsleute, ein frohes und gesegnetes Osterfest! Möge das Morgenlicht der Auferstehung auch unser Herz durchleuchten und mit Heiterkeit und Mut erfüllen. Der Herr ist Auferstanden! Halleluja!

1. Jesus lebt, mit ihm auch ich!
Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Er, er lebt und wird auch mich
von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht;
dies ist meine Zuversicht.
                                Bekanntes Osterlied

Ihr
Dr. Alexander Hoffmann, Visitator
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz
für die Katholiken aus Russland, Kasachstan
und den anderen GUS Staaten.


Ostergruß 2011
des Vertriebenenbischofs Dr. Reinhard Hauke

„Maria Magdalena meinte, es sei der Gärtner“ (Joh 20,15)

In Erfurt lieben die Menschen seit alter Zeit die Blumen und züchten Samen. So nennt man diese Stadt auch „Blumen- und Samenstadt“. Darum hat wohl den Erfurter Christen schon immer besonders das Osterevangelium Freude gemacht, in dem von der Begegnung Maria Magdalenas mit Jesus die Rede ist und wo es heißt: „Sie meinte, es sei der Gärtner.“ Eine mittelalterliche Holzplastik aus dem Erfurter Domschatz zeigt Christus, den Auferstandenen, mit einem Spaten. Man sieht seine Wundmale und den Spaten, der auf dieses Schriftwort im Johannesevangelium hinweist.


Bildmotiv: mittelalterliche Holzplastik aus dem Erfurter Domschatz: Christus als Gärtner

Christus als Gärtner – ein schönes Bild für den Auferstandenen, wenn man Blumen und Samen liebt. Wenn es auch nur eine irrige Vermutung der Maria Magdalena war, dass vor ihr der Gärtner des Gartens steht, in dem das Grab Jesu war, so sehe ich darin doch ein Bild, das mir etwas von Jesus Christus erzählen kann:

  • Ein Gärtner muss Geduld haben: Eine Pflanze kann er hegen und pflegen, aber zum Wachsen bringen kann er sie nicht. Der Gärtner muss Geduld haben und warten, ob alles so wächst, wie er es sich wünscht. Dabei spürt er besonders die Hand des Schöpfers, der das Wunde des Wachstums schafft. Eigentlich müssen alle Gärtner fromme Menschen sein.
  • Ein Gärtner muss Freude am Zarten und Zerbrechlichen haben: Pflanzen sind zart und zerbrechlich. Sie vertragen keine Stöße und Schläge. Manchmal sprechen Gärtner mit den Blumen und sie blühen dann besonders schön – sagt man.
  • Ein Gärtner muss hitzebeständig sein: Wenn die Sonne brennt, kann er sich nicht ins Haus zurück ziehen. Er muss dann die Pflanzen gießen und vor dem Vertrocknen bewahren.

Ich glaube, dass der auferstandene Christus mit uns viel Geduld hat, dass er sich über uns freut, auch wenn wir nur zart und zerbrechlich sind im Guten, und dass er niemals aufhört, uns zu hegen und zu pflegen und vor dem Bösen zu bewahren.

Ostern ist ein Grund, sich über Christus zu freuen, der manchmal mit einem Gärtner verwechselt wird. Der Irrtum der Maria Magdalena war gar nicht so verkehrt.

+ Weihbischof Dr. Reinhard Hauke
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz
für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge


Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt

Weihnachtsgruß 2010 von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke
Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge

dieses Foto zeigt eine Kinderkrankenschwester mit einem Baby einer Nomadenfamilie

Im Bethlehemhospital zeigt eine Kinderkrankenschwester der Bischofsdelegation aus Deutschland im Jahr 2007 ein Baby, das aus einer Nomadenfamilie stammt und in das Krankenhaus gebracht wurde, weil es Asthma bekommen hat. Die Ärzte und Schwestern werden sich nach allen Kräften bemühen, die Krankheit zu besiegen, aber was geschieht danach? – das Kind wird wieder im Zelt wohnen und vielleicht bald wieder zur Behandlung im Krankenhaus sein.

Zur Zeit der Geburt Jesu gab es weder ein Hospital mit Krankenschwestern noch eine Herberge. Maria und Josef mussten mit einer ärmlichen Behausung zufrieden sein. Die nahende Geburt des Kindes ließ ihnen keine andere Wahl, als die ärmliche Behausung zu beziehen. Die Gefahr einer Erkältung oder einer anderen Krankheit aufgrund der Armut bestand sicherlich auch im Stall von Bethlehem, denn die Annahme der Menschheit bedeutete ja auch: Annahme aller Schwächen der menschlichen Natur – bis hin zur Leidensfähigkeit.

Das Kaschubische Weihnachtslied macht dem göttlichen Kind das Angebot einer gemütlichen Behausung zur Geburt. Ich bin sicher, dass Jesus dankend abgelehnt hätte. Wenn ich auch verstehen kann, dass der gläubige Christ oder auch jedes empfindsame Kind dem Jesusknaben ein besseres Zuhause wünscht, so muss ich doch auch Verständnis dafür aufbringen, dass es sich für einen anderen Weg entschieden hat – den Weg der Armut, wie er auch für das Kind im Babyhospital von Bethlehem besteht.

Krippe und Kreuz stehen nahe beieinander. Bei einer Krippendarstellung aus Polen, die in einer Erfurter Kirche steht, sieht man über dem Stall die drei Nägel der Kreuzigung und daneben den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aus dem Paradiesesgarten. Jesus sagt nicht erst am Kreuz sein Ja zur Armut und Schuld des Menschen, sondern sein Weg in Demut und Einfachheit beginnt schon hier in Bethlehem.

Ich bin mir sicher, dass hilflose Kinder im Babyhospital von Bethlehem unter einem besonderen Segen Jesu stehen – und das nicht nur zur Advents- und Weihnachtszeit. Ebenso dürfen wir in den gesunden und kranken Kindern das Spiegelbild des göttlichen Kindes entdecken. In den Kindern können wir „GOTT schauen, wie er ist“ (vgl. 1 Joh 3,2).
Freuen wir uns auf die Gesichter der Kinder an diesem Tag.


Zum Advent

Die Menschwerdung Gottes platzt nicht unvermittelt in die Welt hinein. Das Weltereignis hat einen Vorlauf. Es beginnt damit, dass Gott sich - durch seinen Engel - Maria ankündigt und den natürlichen Weg des Menschseins im Mutterleib und als geborenes Menschenkind annimmt… .

Adventliches…

Gott „outet“ sich,
den Weg des Menschseins wählend,
um das Anfangswort vom Abbild neu zu sprechen… -

Maria trug das Kind in ihrem Leib,
der göttlich war dem Schöpfergeist.
Geheimnisvoll das Ganze bleibend.

Gott wählt die menschliche Gestalt.
Den Tod für sie erleidend,
zu Erben hat er sie ernannt.

Glücklich bin ich,
dass zum Menschen hingezogen,
die Liebe Gottes niemanden umgeht,
Nicht mal um Einlass bittend
an jeden sie ergeht, ergeht, ergeht.

Mit Maria also bist auch du gemeint. -
Dass schwingen kann dein Herz,
hat er umarmt dein Eigen-Sein.

Drum Kerzenlicht in Dunkelheit,
Nicht Neon.
Geschenke, die das Herz erfreuen,
Nicht den Mamon.

Gott will auch in dir
                              ins Dasein kommen.

„Maria ist Ermutigung für uns. Auf die himmlische Botschaft erwiedert sie nicht: ,Das kann ich nicht, such dir eine bessere Qualifizierte´.
Nein, Maria bleibt nicht bei dem stehen, was sie für möglich hält, sie öffnet sich neuen Möglichkeiten, lässt zu, dass ihr Leben aus der gewohnten Spur gerät.
Von nun an steht ihr Leben in Verbindung mit Gott, weil sie sich ganz Gott anvertraut.
Auch wir haben den Auftrag, Gottes Wohnung zu sein. Durch uns will Gott immer wieder zur Welt kommen. Vielleicht geht das
nicht anders, als dass unser Leben ab und zu aus der gewohnten Spur geraten muss?“ (Te deum, Dez. 2010).

Maria kann – das Neue annehmend - singen:
Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
                              Lk 1,46-55

Liebe Landsleute,
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Aus dem Alltag heraus, bleiben wir oft stumm und durchaus skeptisch was unsere Zukunft und die Zukunft der Menschheit betrifft. Zu sehr sind wir Kräften ausgesetzt, die wir nicht mehr zu steuern vermögen. Zugleich können wir ohne Zuversicht nicht leben. Wir brauchen Menschen, die den Mut aufbringen, Zeichen der Hoffnung zu setzen und selbst ein solches Zeichen zu sein.

Ich wünsche uns allen, dass wir im Advent auf Gott vertrauend jeden Tag ein uns mögliches Zeichen der Hoffnung wagen und uns so auf das kommende Fest der Geburt Jesu Christi vorbereiten. Der Advent wird dann kein leeres Wort, keine leere Zusage bleiben, sondern bei der Familienfeier am Heiligen Abend spürbar werden.
Krönen Sie den Heilig Abend mit dem Besuch des Abends- oder des Mitternachtsgottesdienstes, um die Botschaft dieser Heiligen Nacht zu hören und für sich selbst fruchtbar werden zu lassen.
Ich wünsche Ihnen allen, den Kindern und Jugendlichen, den Eltern und Großeltern, in besonderer Weise den Alleinstehenden und Kranken ein freudenreiches und gesegnetes Weihnachtsfest!

Für das Neue Jahr 2011 wünsche ich Ihnen Glück, Gesundheit und Erfolg - in den Unternehmungen, die Sie planen und in den Aufgaben, die auf Sie zukommen werden. Möge Gott Sie und Ihre Familien segnen und mit Seiner Liebe begleiten.

Ihr Alexander Hoffmann, Visitator DaR


Hl. Martin (11.11.2010):

„Auch wenn er las oder sonst mit einer Arbeit beschäftigt war, ließ sein Geist doch nie vom Gebet ab. Wie ein Schmied bei seiner Arbeit immer wieder den Hammer auf den Amboss fallen lässt, so betete Martin ohne Unterbrechung, auch wenn er anscheinend etwas anderes tat“ (Sulpicius Severus).

dieses Bild zeigt ein Gemaelde, das Sankt Martin zeigt

Ja, man kann mit der verborgenen Wirklichkeit Gottes im Gebet verbunden sein, aber auch im achtsamen Gehen, im Sitzen und Arbeiten. Dabei kann es um eine Bitte gehen, dann ist dieses Immerwährende Gebet wie das Gebet des Mose, dessen Arme gestützt wurden, damit das Gebet fortdauert, bis der Sieg errungen ist. Gott sieht die Not der Menschen, und hört ihr Flehen.

Das Immerwährende Gebet wird aber doch meist zur Verherrlichung Gottes dienen – Gott möge durch mich verherrlicht werden, dafür richte er mich auf, heile er mich, gebe mir die Kraft, stets im Gebet zu verweilen, damit ich die Gegenwart Gottes bezeugen kann im Alltag. Mit jedem Atemzug, und Augenblick… . Das Immerwährende Gebet lässt dem Gegenüber die Gegenwart Gottes in der Welt spüren. So kann dieses Gebet meinem Leben neuen Sinn geben.

Aus dem katholischen Gotteslob, S. 28, Nr. 6,1:

Das immerwährende Gebet:
Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.
Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich unser.

Die Anfänge dieser Gebetsform gehen zurück bis in die Zeit der Kirchenväter. Das Jesusgebet verbreitete sich vor allem in der Ostkirche, ist aber heute auch in weiten Kreisen des Westens bekannt.

Dieses Gebet ist eine Meditation, an der auch der Körper beteiligt ist. Der ganze Mensch soll frei sein von Unrast. Man muss sich zur Ruhe kommen lassen. Die Muskulatur soll völlig entspannt sein Man wiederholt im Einklang mit dem Herzschlag oder mit dem Atem unablässig: „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“, oder: „Herr jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich unser“. So versenkt man sich in die Gegenwart Jesu.

Nicht nur die Versenkung in Gott wird durch diese ständige Anrufung des Namens Jesus gefördert, sondern auch die Empfindung von Frieden und Versönlichkeit gegenüber allen Menschen, das Zurücktreten der eigenen Interessen und die Gelassenheit. Das Jesusgebet wird von jenen, die es üben, als ein Weg zur inneren Freiheit bezeichnet.


Ostergedanke

dieses Foto zeigt das Erscheinung des Auferstandenen im Kreise der Apostel
Erscheinung des Auferstandenen im Kreise der Apostel; Marmorkunstwerk des italienischen Bildhauers Luca Della Robbia (1399/1400 – 1482)

Der Auferstandene wird spürbar, wo wir in seinem Namen versammelt sind. Wenn wir uns von diesem „Gespräch“ ausgeschlossen fühlen oder uns selbst auschließen könnte es uns wie Thomas gehen. Vielleicht müssen wir uns Thomas als einen Menschen vorstellen, der schon oft durch Worte enttäuscht wurde, die nicht hielten, was sie versprachen. Das kennen wir ja auch aus eigener Erfahrung. Große Worte gehen leicht über die Lippen, aber es kommt darauf an, ob sie umgesetzt werden. Jesus hat die Not des Thomas, seine Zweifel, seine Skepsis, gespürt. Deshalb läßt er ihn seine Wunden berühren. Diese Berührung muss Thomas buchstäblich unter die Haut gegangen sein. Sein Zweifel heilt unter dieser Berührung. Von da an ist er nicht mehr draußen, sondern in der Gemeinschaft, im Austausch, im Gespräch. Auch wir sind mitten im Gespräch, wenn wir uns anrühren lassen von den Wunden der Liebe, wenn unser Leben getrieben wird vom Auftrag der Liebe. Dazu brauchen wir einen Ansatzpunkt: „Gebt mir einen festen Punkt, und ich hebe die Welt aus den Angeln“, sagte Archimedes, lange vor Thomas. Der feste Punkt in unserem Leben ist uns in Jesus Christus geschenkt. Ordnen wir uns um diesen Punkt, damit er unsere Mitte wird. Aus dieser Mitte kann ich lieben und meine Sendung entdecken – und vielleicht verwandeln sich die Wunden der Liebe in Wunder der Liebe…

Te deum